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398 Pakt der Grafen Februar 2009



Am Rande des Westerwaldes sitzt stumpfsinnig vor sich hinbrütend Graf Rabenhorst nebst Wappentier bei einem Becher Alk. Ob der Bauer eine Schanklizenz für seinen Kiosk hat, wäre zu überprüfen.
Hier macht auch der noch immer liebeskranke Enrique Halt auf ein Bierchen und etwas Atzung. Enrique ergießt sich in äußerst schwülstigen Elegien über die Verschmähung seiner Liebe durch die Herzallerliebste, dass der armen Rabenhorster beinah die Ohrenfäule bekommt. Auch das Freibier macht die Sache für den Grafen nicht erträglicher. Doch seine Lethargie bricht abrupt in sich zusammen, als der Name der Angebeteten ins Spiel kommt - die Gräfin von Hitschenthal.
Da wird doch dem Rabenhorster der Gerstensaft sauer. So outet er sich als verhinderter Bräutigam in spe. Nun können sich die beiden Memmen mal so richtig ausgreinen. Und getreu des alten Spruches, "Wer Kummer hat, der hat auch Bier.", geben sich beide die Kante.

Einige Waldwege weiter wandern die Abrafaxe mit Johanna dem gleichen Punkte zu. Das Pferd ist längst verspeist und Califax quengelt hungrig vor sich hin. Ein Reh am Wegesrand weckt in ihm animalische Gelüste, ein Reh - süßsauer mit Preiselbeeren - das wäre was. Tieropfer sind aber mit der frommen Johanna nicht drin, zumal noch bei so einem lieblichen Rehlein.
Wo die Fauna ausgeklammert wird, bleibt nur die Flora zur Stillung des Hungers.

Aber im Walde gedeihen nur Satanspilze und anderes Unkraut.
Abrax gräbt derweil andern eine Grube, mal sehen, wer hineinfällt.
Aber nicht nur Mensch und Kobold, auch die Ratte plagt der leere Magen. Sie hat sich einen dicken grünen Heuschreck zum Mahle auserkoren. Bei der Verfolgung der Beute entfernt sie sich immer weiter von der Truppe und läuft so dem Wolfensteiner über den Weg.
Auch jener ist völlig am Ende, hat aber immer noch genügend von der dunklen Seite der Macht in sich. Und da er weiß, dass junge Ratten fast ebenso lecker wie gedünstete Kartäuserkätzchen schmecken, nimmt er die Verfolgung auf.

Der Frieden der Natur wird nur gestört durch die Hetzjagd der garstig nudelholzschwingenden Heppenstetter Bäckermeistersfrau auf ihren Mann.
Das bemerkt Brabax aber nicht, weil er konzentriert auf seine Angelrute stiert. Johanna hat durch ihren Pariser Aufenthalt die Frösche in ihre Nahrungskette aufgenommen. Leider vermasselt sie dabei Brabax das Geschäft als Petri-Jünger.
Von der Bergewiese aus sehen sie drunt im Tal den besagten Bauerhof liegen. Nun ist erst einmal Zeit zum Philosophieren. Johanna hat, scheint's, die Weisheit mit Löffeln gefressen. Das muss sogar Brabax neidlos eingestehen.

Auf der Jagd nach Rattifax fällt der Wolfensteiner zwar auf die Klappe, kriegt seine Mahlzeit aber dennoch zu fassen. Die Ratte findet das zwar eklig, aber um ihr Leben zu retten, beißt sie dem Grafen gehörig in die Gurke. Den resultierenden Schmerzensschrei hören auch Abrax und Califax im dunklen Tann. Die Assoziation mit einem tollwütigen Riesenstinktier ist gar nicht mal so weit hergeholt.

Vom Grafen beobachtet, schließen die Faxe ihre aufgeregte Ratte wieder in den Arm. Da rappelts im Gebüsch, vermutlich hat das Bambi nun doch seinen Fehltritt hinter sich. Aber die beiden Fallensteller sind enttäuscht. Es kringelt sich nur das "Ich bin ein Graf, holt mich hier raus!"-Stinktier in der Grube.

Die beiden nehmen also die Beine in die Hand und berichten dies alles Brabax und Johanna auf der Philosophenwiese. Und nun kommt bei der frommen Johanna auch noch die professionelle GutmenschIn zum Ausbruch. Den armen Grafen kann man doch nicht im Loch verfaulen lassen. Der hat sich jedoch schon selbst geholfen und vergilt nun Gutes mit Bösem.
Als er Johanna in seiner Gewalt hat, ist es wieder einmal die Ratte, die dank ihrer Nahkampferfahrung, den Grafen in den geharnischten Lauf beißt. Der Bedrängte verfehlt mit seinem Schwert den Angreifer nur knapp, aber nicht seinen Fuß. Blut im Schuh ist sehr unangenehm. Wie einst der Henker aus dem fernen Digedonien fällt auch er ob der Eigenblutschau in Ohnmacht. Selbstredend leistet ihm Johanna erste Hilfe.

Beim Bauernwirt trifft Johanna auf den zugedröhnten Enrique, der ihr sogar im Suff den Hof machen will. Das verprellt Johanna vollends und die Karawane zieht sogleich weiter, wenigstens mit einem prallen Verpflegungsbeutel versehen.
Bald kommt auch der selbst- verstümmelte Wolfensteiner Graf angehumpelt. Und Fennrich, mit dem man fast schon wieder Mitleid haben konnte, lässt sich für die finsteren Pläne des schrecklichen Grafen einspannen - mit dem Versprechen, die Hirschenthaler Ländereien brüderlich aufzuteilen, nachdem Johanna erst einmal entsorgt worden wäre.
Der blutige Pakt wird sogleich entsprechend besiegelt, Fennrich muss dafür allerdings ins rostige Messer greifen, der Wolfensteiner hat ja noch Reserven im Strumpf.
 
Nach den furiosen Geschichten vom letzten Mal ein etwas beschauliches Heft, aber dafür mit viel Slapstick und Wortwitz. Außerdem versöhnend durch die Gnade der frühen Lieferung, danke PIN! Wenigstens heute.
Neben einer sehschwachen Schleiche geht es recht tierisch zu in Wald und Feld.
Mich deucht, die Mär vom Stein der Weisen findet bald ihr End.

 

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