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... und der Zukunft zugewandt!

Mosaik war überall, jedenfalls nahezu. Mitarbeiter des Mosaik-Kollektivs wie Heinz Handschick, Horst Boche, Joachim Arfert und Nikol Dimitriadis verewigten sich seinerzeit mit mosaiktypischen Darstellungen und Illustrationen in mehreren Büchern und Zeitschriften.
Bei den Büchern waren dies unter anderem die Bestseller der beiden Wahrsager Böhm und Dörge. Obwohl man von Bestsellern eigentlich nicht sprechen kann, denn das einschlägige "Jugendweihebuch" wurde ja jedem Geweihten oder jeder GeweihtIn übergeholfen, ob der oder die wollte oder nicht.

Die Zukunft war noch nie so futuristisch, auch bei späteren Zukünften wurde dieser immense Futurismus nie wieder erreicht.
 

 
Karl Böhm, Rolf Dörge: "Unsere Welt von morgen" 1959
 

So viel Spaß für wenig Geld!

Die technischen Illustrationen besorgten Heinz Handschick, Wolfgang Würfel und Rudolf Skribelka.

Die Herren Böhm und Dörge, oder treffender charakterisiert, die beiden Genossen Gläubig und Nostradamusse des Sozialismus sowie Visionäre einer herrlichen kommunistischen Zukunft, schufen mit dem Buch "Unsere Welt von morgen" ein Werk, interessanter als jedes Geschichtsbuch und lustiger als das lustigste LTB.

Die Visionen gesellschaftspolitischer Art mögen ja bei gelernten Genossen noch entschuldbar sein, aber darüber hinaus wurde eine kaum zu übertreffende technische Fortschrittsgläubigkeit an den Tag gelegt.
Der "homo marxensis" als Mensch neuen Typus war in der Lage, die ganze Welt nach seinen Wünschen zu verbiegen und sich die Natur zum Untertan zu machen (genannt "schöpferische Umgestaltung der Natur"), was sogar teilweise funktionierte.
Wie weit diese Versuche aber geführt haben, sieht man noch heute am Aralsee, wo es gelang, das Ökosystem der gesamten Region zu kippen, aber die Natur holt sich ihren Teil schon zurück.

Also Gurte anlegen und festhalten!
Denn die Zukunft begann schon vor vielen Jahren und der Kommunismus siegte bis 1980 ...


... nein! Ein kleines Dorf unbeugsamer Gallier leistet dem Kommunismus erfolgreich Widerstand.

"Die spinnen, die Seher!" Oder etwa doch nicht? Denn, wie hieß es doch so treffend: "Die Partei, die Partei, die hat immer recht ..."

Was ist das denn eigentlich, der Kommunismus?
Die bekannte Anfrage an den Sender Eriwan bringt es an den Tag: "Was ist Kommunismus?"
"Ein blühender Kirschbaum am Horizont."
"Und was ist Horizont?"
"Eine gedachte, nie erreichbare Linie."
Ja, wer den Kommunismus aufbauen will, muss erst mal den morgigen Tag überstehen!

Des Gurus eigene Definition für besonders streng Gläubige besagt: "Kommunismus = Sowjetmacht + Elektrifizierung des Landes".
Schön und gut, darf man diese Gleichung eigentlich umstellen ?
"Sowjetmacht = Kommunismus ohne Elektrifizierung" oder gar
"Elektrifizierung = Kommunismus ohne Sowjetmacht" ???

"Unsere Welt von morgen" erschien in vielen Auflagen und wurde auch vorübergehend als "Jugendweihe-Standardwerk" unters lesende Volk gebracht. Allerdings nicht in der schnöden "Volksausgabe", sondern in opulenter Aufmachung im fast quadratisch-praktischen Format mit lecker Leineneinband. Über aufklappbare Seiten entwickelte man herrliche Zukunftsbilder der schönen, neuen Welt, unter anderem das Gezeitenkraftwerk, das zentrale Großkaufhaus, die Weiden der Zukunft im Ozean und mächtige Stauseen, alles in absehbarer Zeit.
Vieles von dem findet man in den Landschafts- und Stadtansichten der Neos-Serie wieder (u. a. Kreuzung im Zentrum, Staudamm am Schwarzen Fluß).

Das "Hauptjugendweihebuch" hieß damals "Weltall, Erde, Mensch" und war bei weitem nicht so kurzweilig zu lesen wie "Unsere Welt von morgen", denn man erklärte die Welt aus bedeutend nüchterner Sichtweise.
Die erste Auflage kam 1954 auf den Markt und dieses Buch löste Böhm/Dörge später auch wieder ab.

 

Neos-Ansichten aus der Welt von morgen

Unsere Welt von morgen

"Gestaltete Landschaft"
 


Mosaik Nr.30

aus Mosaik Nr. 30 (Mai 1959)
"Der Staudamm am Schwarzen Fluß"
 


Unsere Welt von morgen

"Fünf Ebenen des Großstadtverkehrs von morgen"

Mosaik Nr. 29

"Querschnitt durch den Verkehrsknotenpunkt der Hauptstadt"


aus Mosaik Nr. 29 (April 1959)
"Auf dem Neos verschollen"

 
Die lustigsten Auszüge aus dem Buch

 


 
Karl Böhm, Rolf Dörge: "Auf dem Weg zu fernen Welten" 1958
 

 

 

 

 

"MY-3 ist wieder startklar! Unsere Männer machen Feierabend."

Schutzumschlag von Heinz Handschick

Aus aktuellem Anlass, nämlich des erfolgreichen Sputnikfluges der UdSSR, unterbrach das Autorenkollektiv Böhm und Dörge die Arbeiten am Werk "Unsere Welt von morgen" und widmete sich erst einmal Sostschenko-mäßig der Entwicklung des Flugwesens.

Den gleichen staatlichen Auflagen wurde damals bekanntermaßen auch Hannes Hegen unterworfen. Man veranlasste ihn, die Digedags aus der Zeit des Römischen Reiches in die eine fiktive Welt umzutopfen, die der aktuellen Gesellschaftsform in der DDR recht nahe kam, aber gleichzeitig unangemessenen Wohlstand repräsentierte.

Im Impressum des Buches findet man folgendes:

"Ausstattung: Kollektiv unter Leitung von H. Hegen
technische Zeichnungen: Heinz Handschick,
Horst Boche, Joachim Arfert
Karikaturen: Nikol Dimitriadis"


Der Inhalt:
Das Buch als solches enthält die zeitgemäßen Ingredienzien in der üblichen Dosierung:
* 30% populärwissenschaftliche Erklärungen
   zum Flugwesen an sich
* 50% politische Hintergründe der Fliegerei,
   Lobgesänge auf die "Ruhmreiche" und deren
   Errungenschaften
* 20% Demagogie in Reinstform.

Karikatur von Dimitriadis

eine von Nikol Dimitriadis' Karikaturen


Grundaussage des Buches:
Die Geschichte der Raumfahrt geht von Ziolkowskis Auftritt nahtlos zum Sputnikstart am 4. Oktober 1957 über.
Die Kunst besteht zwar bei vielen Dingen im Weglassen, aber hier wurde diese Maxime etwas übertrieben.
"Außer 33 bis 45" lässt schön grüßen!

In dem Zusammenhang erinnere ich mich an eine Ausstellung in den 70ern im Kulturhaus der Textilarbeiter in Zittau unter dem Motto
"Vom Bastschuh zur Raumstation".
Ja, ein kleiner Schritt für den Bastschuh, aber ein großer Schritt für die Menschheit.

Hermann Oberth und Wernher von Braun werden im Buch immerhin kurz erwähnt, aber lediglich als Plagiatoren des Großen Wegbereiters Ziolkowski betrachtet.
Wobei Ziolkowski ohne Abstriche bescheinigt werden kann, dass er seiner Zeit um mindestens 50 Jahre voraus war und elementar wichtige Ideen entwickelte. Aber eben nicht als einziger.

Nach Untersuchungen von Dr. Tanja Jelnina vom Ziolkowski-Museums in Kaluga kam die erste Kunde von Ziolkowskis Beschäftigung mit der Raumfahrt um das Jahr 1920 durch einen Studenten nach Deutschland, Oberth selbst erhielt vermutlich erst 1925 Kenntnis von Ziolkowskis Schaffen. In einem seiner Briefe schrieb er an seinen Kollegen Ziolkowski "... ich bedaure nur, dass ich nicht früher als im Jahr 1925 über Sie gehört hatte."

Gegenüber dem im Jahr 1959 erschienenen Werk "Unsere Welt von morgen" wurden hier aber weder auf technischem noch auf gesellschaftspolitischem Gebiet übermäßig gewagte Prognosen abgegeben.

Dass der Sputnik-Start in der Sowjetunion schon 1957 ohne die in Peenemünde erbeuteten Materialien und die deportierten Fachkräfte  allerdings schwer möglich gewesen wäre, wird tunlichst unter den Tisch gekehrt.
 
Notlandung auf dem Mars

 

RS MY-3 auf dem Weg zu fernen Welten


aus Mosaik Nr. 26 (Januar 1959)
"Notlandung auf dem Mars"




Raumfahrtentwicklung in Deutschland bis 1945
 
Zur gleichen Zeit wie Ziolkowski hatte Hermann Ganswindt (1856-1934) in Deutschland um 1890 die Idee eines "Raketenfahrzeugs".
Ein weiterer Russe vor Ziolkowski war Nikolai Iwanowitsch Kibaltschitsch (1853-1881), er hatte ebenfalls postuliert, dass es nur mit Rückstoßgeräten möglich sei, die Erde zu verlassen. Da er sich nebenbei auch als Revolutionär betätigt hatte, wurde seinem Leben ein gewaltsames Ende gesetzt (in Mosaik 45 wurde an ihn als "Zarenmörder" erinnert).

Hermann Oberth (1894-1989) wird als der Vater der deutschen Raumfahrt betrachtet.
1923 erschien seine als Doktorarbeit geplante Schrift "Die Rakete zu den Planetenräumen", später veröffentlicht als Buch "Wege zur Raumschiffahrt".
Oberth war der große Theoretiker und Visionär, als Praktiker unter seiner Anleitung machten sich andere verdient: Rudolf Nebel (1894-1978), Klaus Riedel und Wernher v. Braun (1912-1977), alle drei enthusiastische Raketenbastler.

Das Jahr 1933 war das schwarze Jahr für die friedliche Raketenforschung: es war klar geworden, dass dieses Metier für militärische Zwecke vereinnahmt werden würde (Hintergrund war die Umgehung der Beschränkungen des Versailler Vertrages). Walter Dornberger übernahm im Auftrag des Heereswaffenamtes die weiteren Forschungen und gewann von Braun für seine Aufgaben. Rudolf Nebel dagegen verblieb mit seinen Forschungen auf zivilem Sektor.
Von Braun wurde Leiter der Heeresversuchsstelle für Raketen in Kummersdorf bei Berlin und entwickelte dort das Aggregat 1 (A1).

Als 1934 der zivile Raketenflugplatz in Berlin-Reinickendorf geschlossen wurde, stießen auch diese Forscher zur Kummersdorfer Gruppe und entwickelten dort gemeinsam das Aggregat 2, 1937 das A3 und 1938 das A5.
Parallel dazu wurde ab 1937 die neu errichtete Heeresversuchsanstalt Peenemünde mit Walter Dornberger als Chef und v. Braun als Technischem Direktor bezogen.
Hier wurde das A4 entwickelt, ein Projektil aus ca. 20000 Einzelteilen, dessen Einsatzfähigkeit sich allerdings stark verzögerte.
Der erste rundum gelungene Start eines A4 fand am 3. Oktober 1942 statt - 13 Tonnen Masse erreichten die 4fache Schallgeschwindigkeit.
An diesem Tag wurde mit einer maximalen Flughöhe von 147 km erstmals die Schwelle zum Weltraum erreicht, was als der Beginn des Raumfahrt-Zeitalters angesehen wird.
Trotz berechtigter moralischer Bedenken und des militärischen Hintergrunds der Raketenentwicklung ist die wissenschaftliche Leistung bzw. das zivile Nebenprodukt unumstritten. Bedauerlicherweise ist auch heute eine Forschungsaufgabe, die militärischen Zielen untergeordnet ist, am effizientesten zu lösen. Für zivile Aufgaben fließen die Mittel nach wie vor nur spärlich.
 
A4-Modell

Modell eines Aggregat 4

 

Historisch-technisches Informations-
Zentrum Peenemünde


Der Grundstein für die praktische Raumfahrt wurde mit dem A4 in Peenemünde gelegt. Goebbels vermarktete sie als "Vergeltungswaffe"  V2 .

Die Trägerraketen der russischen Sputnik-Serie (Wostok-Trägerrakete) und der amerikanischen Explorer-Serie (Redstone-Trägerrakete) basierten auf der Technologie des A4 und den Erfahrungen ihrer Entwickler.

Das Projekt "Aggregat 4" gehörte sicher zur bedeutendsten technologischen Kriegsbeute der USA und auch der Sowjetunion. Die Übernahme der Spitzenkräfte des Peenemünder Teams gab den Amerikanern zudem beste Voraussetzungen in die Hand.
Die Sowjetunion musste sich mit der zweiten, unfreiwilligen Auswahl zufrieden geben.

Erstmals startete im April 1946 ein A4 in White Sands, es erreichte allerdings nur 6 km Höhe. Der erste erfolgreiche Start erfolgte am 10. Mai 1946, wo das Projektil bis zu 114 km aufstieg.
In der Sowjetunion gelang der erste Start eines A4 im Oktober 1947.

Wie einstmals die Autoren des Mosaik viele technische Ideen aus Sekundärliteratur
schöpften (u. a. "Hobby"), guckten auch andere wiederum beim Mosaik ab.

 
Darstellungen von neostypischen und anderen
Erscheinungsformen in ostdeutschen Comics

Atze 2/1959

 

"Pionier-Weltraumfasching"

Mondrakete
(Bauart "RS MY-3")

gezeichnet von Heinz Müller

 

Atze 2/1959


Frösi 2/1961

 

Frösi-Postillion im Jahre 1999

nachempfunden von Ludwig Nawrotzki
bei "Fünf Ebenen des Großstadtverkehrs von morgen" (s.o.)

 

 

 

Frösi 2/1961


Frösi 9/1959Frösi-Sonderbeauftragter Heini Fotolins berichtet aus dem Jahr 2000.

"Dem Heute um 42 Jahre vorausgeeilt"

regulärer Weltraumschiffverkehr Erde-Mond,
"Batterien riesiger Transportraketen für den Bau mächtiger Raumstationen"
"Die Eisenbahn hat sich ganz auf Atomlokomotiven umgestellt." [DB, aufwachen !!!]

"Man ist dabei, mit Hilfe der Atomkräfte den warmen Golfstrom umzuleiten ... Südfrüchte reifen auch bei uns."
[Heute würden wir das schlicht als Klimakatastrophe bezeichnen.]

Frösi 9/1958


Frösi 2/1965Die Raumstation hat zwar wenig Ähnlichkeit mit denen vom Neos,
aber sie wurde immerhin von Joachim Arfert gezeichnet.

Frösi 2/1965


Frösi 2/1961

"Lufttaxi" in "Geschwindigkeit ist keine Hexerei" Ausblick auf 1999

erinnert irgendwie an die "Mücke"

Frösi 2/1961
Atze 1968Abenteuer 1985 - Mit der "Gagarin" zur Venus

>>Vor einigen Tagen ist Anita in einer der neuen "Städte der Wissenschaften" im fernen Sibirien eingetroffen ... Sie hat das Glück, zu den wenigen Menschen zu gehören, die unmittelbar den Start des ersten bemannten Raumschiffes zum Planeten Venus miterleben werden. ... Die vierstufige "Gagarin" soll sechs kühne Weltraumflieger zu unserem Nachbarplaneten bringen.<<

Oberflächlich gibt's Parallelen zum SF-Klassiker aus dem Jahr 1951
"Planet des Todes" [Astronauci] von Lem,
von der DEFA 1959 verfilmt als "Der schweigende Stern".

Der "Kosmokrator" sah allerdings beeindruckender aus.

aus Atze 1968, Zeichnung: Jochen Arfert

Rak III
Mondrakete "Rak III"
landete am 14.06.2007 auf dem Mond

jedenfalls in Mäxchen Pfiffigs "Abenteuer im Weltraum"



Frösi 9/1957
Zeichnung: Richard Hambach


In diesem Sinne:

Zukunft ist gut für alle !

 

 

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