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110 Der Hammel vom Kastell Peripheria Januar 1966


Kurz nachdem der Centurio die Teufelsbrüder angemessen geoutfittet und in einem Crash-Kurs für die anspruchsvollen Aufgaben byzantinischer Manneszucht trainiert hat, trifft auch schon die Gesandtschaft aus Konstantinopel ein. Das war äußerst knapp.
Der Gesandte ist ob der zackigen Truppe äußerst angetan und hängt dem wackeren Strategos dafür den Dardanellenorden an den stolz geschwellten Thorax.
Des Centurios Loyalität leidet extrem darunter, er bekommt sogar gewaltigen Frust.
Die Digedags verdrücken sich in Richtung Dorf, wo die Ritter und Suleika dem Wirt schon beim Braten des frisch gemeuchelten Ferkels wollüstig über die Schulter schauen.
Da das Mahl noch halbgar über dem Herdfeuer vor sich hinkokelt, machen sich Dig und Dag über die Auswertung des Digedag-Dossiers. Sie sind auch sauer, dass ihre spektakuläre Nachricht über die Freilassung der Piraten so wenig Interesse erzeugt.
Mit der alten Kriminalakte setzen sich Dig und Dag unter Hochspannung vor die Hütte.
Der diensthabende Strategos namens Stupides Militarios hat den Rahmenbericht angefertigt, in den Digedags Aussage eingebettet ist. Auch Klexos Graphos, der Spießschreiber, und Zellos Karzeros, der gute Geist des Zellentrakts, kommen kurz zu Wort.

Anno 519 reitet also Digedag auf seinem Hammel Cäsar, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verbindet, durch das von den Wirren der Völkerwanderung gezeichnete byzantinische Reich.
Zu Füßen des Kastells Peripheria trifft der irrende Reiter auf eine komplette Regierung, der das Volk abhanden gekommen ist. Welch ein traumhafter Gedanke.
Wie es solche "Eliten" so an sich haben, sind sie natürlich nicht einmal imstande, sich aus eigener Kraft zu ernähren. Als Besitzer eines essbaren Reittiers wird Digedag sogleich als Mundschenk dienstverpflichtet. Um seinen Hammel vor den gierigen Schlünden der Kamarilla zu retten, verspricht er, den zu diesen herrlichen Düften gehörigen Ochsenbraten vom Kastell zu beschaffen.
Mit seinem Hammel als Anzecker überzeugt er die Burgbesatzung davon, dass gleich eine kapitale Schafherde folgen wird. Dazu bittet er die Soldaten, sich im Nebenhof zu abzutarnen, den er anschließend unbemerkt aber sorgsam verriegelt.
Gleich darauf erscheinen die Hilfstruppen der Regierung, die den Ochsen fachgerecht abtransportieren. Die weggesperrte Burgbesatzung sieht dem Treiben mit wachsendem Unmut hilflos zu.
Unten machen sich die regierenden Nichtsnutze über den Braten her und lassen Digedag natürlich keine Faser übrig.
Während Digedag über diese Schlechtigkeit der Welt vor sich hin philosophiert, wird er von der mittlerweile frei gekommenen Burgbesatzung festgesetzt.
Der entschwundene Ochse geht nicht mehr als Mundraub durch, Digedag landet dafür im Kerker. Bald ziehen Cäsars Bratendüfte durch die Gitterstäbe. In der Zeit der Gefangenschaft hat Digedag hinreichend Muße, sich zum Ornithologen umzuschulen. Er legt sich so eine beachtenswerte Federsammlung an. Als er nahezu die gesamte Vogelschaft der Umgebung um ihre Schwanzfedern gebracht hat, konstruiert er aus seinem Bettgestell einen gefiederten Flugbesenschrauber.
Mit dessen Hilfe stürzt er sich mutig aus dem Kerkerfenster in die Schlucht.
Die gute Thermik im Tal verhilft ihm zu ständigem Auf und Ab.
Die Soldaten bekommen dadurch die Gelegenheit, sich ausgiebig im Bekämpfen von Flugobjekten zu üben. Natürlich treffen die Schlumpschützen nicht. Bald ist Digedag durch günstige Winde mit unbekanntem Ziel entschwebt.

Dig und Dag sind nach ihrem Abstecher in die kriminelle Vergangenheit Digedags wieder in der Realität angekommen, aber der Hunger ist geblieben.
Wie es den Digedags scheinbar immer bei der Nahrungszufuhr ergeht - auch hier ist nichts übrig geblieben. Vom Ferkel sind lediglich noch die Späne da.
So greifen sich auch Dig und Dag einen abgestandenen Maisfladen und philosophieren über die Schlechtigkeit der Welt. Dabei hatte sie Suleika sogar zum Essen gerufen. Das kommt davon, wenn man sich mit Aktenstaub zudröhnt.
 

Leider keine ritterliche Regel.

 

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