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125 Der Pokal des Siegers April 1967


Nach dem glorreichen Sieg der pordoselenischen Weinbauern über die byzantinische Schleudertruppe, ziehen die Verteidiger der Insel im Triumphzug durch die Gassen. Angeführt wird die Prozession natürlich von Runkel hoch zu Türkenschreck, ohne den alles sicher ganz anders ausgegangen wäre. Das ist jedenfalls sein fester Glaube. Auch Dig und Dag sind dem Ruhm nicht ganz abhold, sie schunkeln auf der Trophäe Habakuk in der zweiten Reihe hinterdrein.
In der folgenden Dankesrede des Bürgermeisters werden alle Helden bedacht, aber leider ist nur ein einziger Pokal mit Wein zur Hand. Und da opfert sich Runkel doch ganz gerne mal auf. Zumal die Digedags als temporäre Abstinenzler dieses Mal lieber Himbeerbrause hätten.
Doch es kommt noch besser - die Heldentaten der Fremdlinge sollen säuberlich in ein Wandfries für den Rathaussaal geklebt werden.
Beim Besuch in der Werkstatt des Mosaik-Kollektivs werden Dig und Dag auch Entwürfe aus früheren Zeiten vorgeführt. Es wäre ja gelacht, wenn nicht ein gewisser Digedag schon wieder mal vor den beiden anderen hier durchgereist ist.
Mit dem digedonischen Heldenepos unterm Arm verkrümeln sich die Digedags für ein Weilchen ins Outback, um mehr über das Schicksal ihres alten Kumpels in Erfahrung zu bringen.
Ritter Runkel hat es sich zur Aufgabe gesetzt, den Stümpern in der Werkstatt mit wertvollen Ratschlägen ein wenig Stil beizubringen und dafür zu sorgen, dass sein heroischer Einsatz in der Stadtgeschichte ordentlich zur Geltung komm . Immerhin ist der Entwurf des Meisters für Runkel schon mal entwicklungsfähig.

Digedag berichtet auf den alten Rollen von seinen Erlebnissen als Koryphäe der orientalischen Bolidenpiloten, just damals, als die Horden der Venezianischen Eindringlinge vor Konstantinopels Stadtmauern herumlungerten.
Um das Volk ein wenig von den wahren Problemen abzulenken, diese Methode hat also lange Tradition, soll ein großes Wagenrennen über die Bühne gehen. Zwar kein Brot, aber immerhin Spiele.
Derweil rennen die Venezianer gegen die Stadtummauerung an, zur Zeit noch mit geringem Erfolg.
Im Hippodrom geht es unterdessen zur Sache, Digedag fährt natürlich in Pole Position, als Steuermann einer eleganten Quadriga vom neuesten Modell.
Aber Können gerät oft durch rohe Gewalt ins Hintertreffen.
Der für seine praktischen Einfälle berüchtigte Mitbewerber Hottos Kapottos schiebt sich unter Verursachens alternativloser Kollateralschäden langsam an die Spitze vor. Hinter ihm die totale Panne. Doch Digedag ist nicht doof, er kennt schon seinen Pappenheimer, Hottos' Speichenentferner trifft auf Digedags Messerentschärfer. Die Entscheidung bringt allerdings seine Peitschenabwehr. Der kaputte Hotte wird von seinem Vehikel gerissen und landet im Kiesbett. Man sollte also schlagende Argumente nur lose ans eigene Chassis koppeln.
Digedag bleibt übrig und gewinnt, Als Siegerpreis ist ein güldener Pokal ausgelobt, der Kaiser lässt sich in schlechten Zeiten nicht lumpen. Damals war's.

Und dann ist Schluss mit lustig, ein Melder verkündet das Einsickern des Feindes. Als dann auch noch die Stadttore fallen, ist lustiges Plündern angesagt. Alles was nicht naht- und niegelfest ist, wird demontiert und auf die Schiffe verladen.
Dem Kaiser gehen die Worte aus, er verkrümelt sich in die Kulissen. Digedag, der ja auch nicht ganz uneitel ist, soll sich vom Volke bejubeln lassen.
Dazu ist wenig Muße, denn nun wird auch das Hippodrom gestürmt und die verbliebenen Zaungäste fallen der Ausplünderung anheim.
Digedags Pokal ist in Gefahr. Und der Kelch sieht dem, aus welchem Runkel schon seine Siegesdröhnung empfangen hat, verdammt ähnlich.

 

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