Homepage |  | Comics |  | zurück  


 

149 Die Rübensteiner Festspiele April 1969


Nachdem Runkels letzte Variante der Geldbeschaffung abgeschmiert ist, bläst der gesamte Rübenstein Trübsinn. Soeben mümmeln man einen angemessenen Haferpamps, da erscheint der Torwächter und meldet eine Gauklertruppe.
Runkel hat keinen Bock auf Kultur, aber Adelaide sucht Zerstreuung. So werden die Gaukler in die Halle bestellt, wo schon alles Burgvolk erwartungsfroh der Vorstellung harrt.
"Meister Balduins Bunte Bühne" gibt ein Ritterdrama mit Runkels Lieblings-Sujet "Drachen quälen und bei Prinzessinen einschleimen".
Nun ist der Ritter aber hellwach.
Schon im zweiten Akt bricht sich in ihm der Theaterkritiker Bahn. Kurzum, Runkel als Orientexperte kann das alles bedeutend besser und er gründet stehenden Fußes die "Rübensteiner Festspiele", ein Kooperationsunternehmen aus Rübensteinern und Balduinern.
Angemessener Austragungsort soll vorerst Freistadt sein.
Nach Zerstreuung anfänglicher Selbstzweifel (nicht bei Runkel) zieht die schauspielerische Elite des Rübensteins in die Stadt des Jahrmarkts. Daselbst erwartet man höchste Ehren und Einnahmen.
Auf dem Marktplatz wird unter den Augen des obersten Sero-Repräsentanten eine gewaltige Bühnenanlage zusammengenagelt.
Dig, Dag und Digedag steuern ein werbekräftiges Firmen-Logo bei und übernehmen natürlich die technische Sicherstellung der Spiele.
Allerdings reicht es nur zu einem Drachen mit drei Köpfen, Runkel hatte im Drehbuch alle Neune gefordert. Dafür verfügt der fliegende Teppich über großes Potential.
Ein erster Probeflug verläuft äußerst vielversprechend und ruft Ehrfurcht bei den Zaungästen hervor. Runkel macht seine Stunts natürlich selber. Nachdem er die Sicherheitseinrichtung fahrlässig durchtrennt hat, muß dies die arme Drachenmannschaft mangels koordinierter Reaktionen büßen.
Der Kuckucksberger hat sich in Zivil verkleidet und beobachtet die Szene aus sicherer Entfernung im Wirtshaus. Vom Kneiper erfährt er von Runkels Vorhaben, seine fulminanten Geldsorgen durch hochwertiges Schauspiel zu beseitigen. Kuck faßt den schnöden Plan, Runkel ein für alle mal fertig zu machen, indem er ihm die Ehre und die Eintrittsgelder entwendet.
Die Premiere des Stücks soll im Rahmen der Markteröffnung am nächsten Sonntag stattfinden.
Graf Kuckucksberg prescht zurück in die heimische Ruine und alarmiert seine Räuberbande.
In ihrem Fummelfundus finden sich allerlei Tücher und Stoffe, die die Gesellen im Nu in orientalische Strauchdiebe verwandeln.
Ihre zukünftigen Rollen müssen nicht einstudiert werden, sie sind wahre Naturtalente.
Bald darauf machen sie sich auf den Weg nach Freistadt.
Am Tag der Premiere wird auf dem Marktplatz die frische Luft knapp.
Alle Logen und Ränge sind zum Bersten gefüllt.
Die Rübensteiner Sippe und die Stadthonoratioren sitzen in der vorderen Reihe.
Der erste Akt läuft prima an und der Mime Runkel träumt schon von Aufführungen in Bayreuth.
Meister Balduin gibt den Sultan, dessen Tochter durch bösen Zauberers Hand sogleich entführt werden soll. Alles verfolgt die Szene unter Hochspannung, nur der lustmolchige Bürgermeister ergötzt sich lediglich am Ballett.
Kurz nachdem Runkel als Bewahrer der Jungfräulichkeit der Prinzessin seinen Auftritt hat, stürmt des Kuckucksbergers Schmierentruppe die Bretter und entzieht Runkel die Bewegungsfreiheit.
Dieser ist erbost über den Eingriff in die Zeitlinie und merkt wieder mal gar nichts.
Nachdem Runkel ausgeschaltet ist, nehmen sich die Räuber der Eintrittsgelder an. Digedag als Kassenwart hat keine Chance.
Kurze Zeit später wird Runkel von den herbeigeeilten Digedags aus den Trümmern der Kulissen gezogen. Seltsamerweise hat das Publikum von alldem nichts geschnallt und applaudiert wie wild.
Von Runkel wird die eingetretene Misere mit technischen Problemen bemäntelt und den Zuschauern eine baldige Fortsetzung versprochen.
In üblicher gedrückter Stimmung verläßt die Rübensteiner Mimengruppe Freistadt und kehrt arm wie zuvor zur heimatlichen Burg zurück.
Das Schlimmste ist allerdings, daß der Kuckuck Runkel die Show gestohlen hat. Der erboste Ritter läßt sich zu einem für die Räuber fürchterlichen Schwur hinreißen.
 

Ritterregel:
keine

 

 © Copyright 2000-2017 Orlando Seitenanfang | HomepageeMail | Impressum