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21 Der Überfall im Theater August 1958


Die drei Wanderer sind in einem kleinen Provinznest, viele Meilen von Rom entfernt, angekommen. Vor ihre wunden Füßen landet gerade ein Außendienstmitarbeiter ziemlich unsanft im Staub der Piste. Der belästigte Bäcker braucht kein Fleckenwasser von Persilius, so nennt sich der Hausierer. Da es Persilius gleichgültig ist, wo er nichts verkaufen kann, schließt er sich den Digedags und Teutobold an. Persilius führt sein Geschäft mit lustigen Werbesprüchen auf den Lippen, eigentlich müsste es bedeutend besser laufen.

"Alle Menschen sind erfreut
über Glanz und Sauberkeit,
zeigt ein Fleck sich, er verblaßt,
wenn du FLECK-WEG bei dir hast.
WISCHE-WASCHE-WEG!"

Sein Mittel scheint besser zu sein als der Ruf, denn das Exempel an einer buntgescheckten Kuh beweist die enorme Reinigungskraft des Elixiers.

"Für den Staatsmann ist das Beste,
guter Ruf und weiße Weste.
Drum ist niemand im Senat, der nicht FLECK-WEG bei sich hat.
WISCHE-WASCHE-WEG!"

Im nächsten Dorf geht Persilius aufs Ganze, er platzt in eine Landfrauen-ABM hinein und praktiziert die aggressive Variante seines Verkaufskonzepts. Persilius verteilt im ganzen Haus Ofenruß, bevor er um einen Eimer Wasser bittet. Aber dumm gelaufen, Wasser ist gerade aus, denn der Brunnen gibt momentan nichts her.
Das ist echtes Vertreter-Pech. Der Haus-Köter Karo (er ist ähnlich giftig wie die gleichnamige Zigarette) wird auf Persilius gehetzt, in letzter Verzweiflung gießt dieser der bösen Töle das Wundermittel in den Rachen. Ein voller Erfolg, FLECK-WEG wirkt sekundenschnell.
Teutobolds Kommentar: "Not Macht erfinderisch."
Mit einem neuen Werbe-Spot ziehen sie weiter südwärts.

"Selbst Jupiter sah mit Schrecken
seine Sonne voller Flecken,
FLECK-WEG aber, ihm sei Dank,
putzt die Sonne wieder blank.
WISCHE-WASCHE-WEG!"
Persilius jammert vor seinen Reisegefährten über seinen ausbeuterischen Chef. Teutobold kann das nachvollziehen: "Der Reiche weiß nicht, wie sich der Arme nährt."
Zufällig kommt eine Kalesche des Weges gerumpelt, die vier nutzen die Gelegenheit und springen hinten auf. Persilius verliert dabei seinen Musterkoffer. Teutobolds Angelversuch endet erfolglos, obendrein werden die Schwarzfahrer ertappt und vom Polizeipräfekten, dem regulären Benutzer der Kutsche, in die Flucht geschlagen.
Aber man ist eh schon fast am Ziel angelangt, und zwar am Strand des Meeres, wo sich die schönen Reichen tummeln. Es ist so eine Art Ostsee-Idylle mit Promenade, Strandkörben und Sandburgen. Ein paar finstere Burschen beobachten die Strandburg von Olivia, der Tochter von Persilius' Boss. Persilius nutzt das günstige Zusammentreffen und macht Olivia seine Aufwartung sowie gleichzeitig FLECK-WEG madig. Er bemerkt aber nicht, dass er auf Schamponius' sandgetarntem Bauch sitzt. Der Seifenfabrikant reagiert ungnädig und jagt ihn davon. Schon nähert sich Schwiegersohn-Anwärter Hyazinth, Schamponius scheint wieder versöhnt.
Hyazinth ist ein reicher Trottel, der Tritt auf eine Harke richtet an seinem Großhirn nicht viel Schaden an. Während Hyazinths wirrem Heiratsantrag verabredet sich Olivia mit ihrem privaten Handanleger Alfio zu einer abendlichen Kutschfahrt. Sie bittet Hyazinth, nach der Abendvorstellung hinter der Bühne zu warten (Olivia spielt die Hauptrolle im "Raub der Nymphenkönigin"). Olivias Zofe Julia wird die Ehre zuteil, ihre Chefin im Stück zu vertreten. Auch Persilius kommt zurück um sich zu entschuldigen, er bekommt ebenfalls seine Verabredung mit Olivia hinter der Bühne, worauf er sich allerlei einbildet.
Der Präfekt, der in Personalunion auch Seeräuberkäpt'n ist, verklickert seiner Mannschaft den Entführungsplan, sie sollen ins Theaterstück eingreifen und Olivia entführen.
Die Halunken kommen auch gleich zur Sache, sie fesseln die professionellen Mimen, setzen sich deren Masken auf und entern selbstbewusst die Bretter, die angeblich die Welt bedeuten.
Vorher gibt es noch eine kleine Abhandlung in praktischer Gesellschaftskritik: alles ist in der Ausbeutergesellschaft käuflich, auch der Kaiserthron.
Der Auftritt der Seeräuber beschert allerlei seltsame Dialoge, immerhin gelingt es ihnen, ihre improvisierten Texte in Reime zu kleiden. Das Spiel nimmt seinen verhängnisvollen Lauf, doch ein vierter Schauspieler hat verpennt und kommt zu spät.
Da die Garderobe verschlossen ist, bittet er seinen vermeintlichen Kollegen Horatio um den Schlüssel.
Das Tohuwabohu der Handlung steigert sich, den Digedags kommt alles immer spanischer vor.
Sie alarmieren die Polizei.
Das Stöhnen aus der Garderobe gibt den Schauspielern die Freiheit wieder.
Währenddessen liefern sich Hyazinth und Persilius einen Rivalenkampf und hauen sich ihre Blumensträuße ums Gehörn. Auf der Bühne gehen die Seeräuber nun aufs Ganze und rauben die Nymphenkönigin, das Publikum ist verstört. Im Gebüsch treffen die Piraten mit ihrer Beute auf den Präfekten. Der bemerkt bald den Schwindel mit der falschen Olivia und dreht die Situation zu seinen Gunsten, indem er sich als Retter präsentiert. Da Persilius nun endlich begriffen hat, dass er bei Olivia ohnehin nicht landen kann, bandelt er eben mit deren Zofe an. Dann kommen Olivia und Alfio angefahren und Schamponius lädt in einem Anfall von Großzügigkeit alle Retter in sein Haus ein.
Teutobolds Kommentar: "Ende gut! alles gut!"
Die Seeräuber brauchen nun einen neuen Plan. Der Präfekt wird es bald wieder versuchen, Olivia in seine Gewalt zu bekommen.


 
Persilius
Persilius als Vertreter der früh- und spätkapitalistischen Waschkultur dürfte seinerzeit wohl namenstechnisch etwas problematisch gewesen sein.



Das revolutionäre, vollautomatische Waschmittel "Persil" wurde schon 1907 entwickelt und ersparte der Hausfrau die aufwändige mechanische Bearbeitung schmutziger Textilien.
Persil wurde auch in Genthin für Henkel hergestellt, im Jahre 1945 aber enteignet. Beide Teile Deutschlands behielten jedoch parallel die Markenrechte für einige Waschmittel (SIL, ATA, IMI und Persil). "Persil"  wurde auch in der DDR weiter produziert. 1968 löste das neue "Spee" das alte "Persil" ab.

 

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