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30 Der Staudamm am schwarzen Fluß Mai 1959


Den drei frisch angeworbenen Untertanen der Republikanischen Union sollen die Großtaten des Aufbaus nahe gebracht werden.
Sogar Presse, Hörfunk und Fernsehen sind anlässlich des Starts zur großen Präsentation angetreten. Nach wechselseitigen Sympathiebekundungen kann's endlich losgehen. Sinus Tangentus will das denkwürzige Ereignis schnell noch auf Zelluloid unvergesslich machen. Die alte Plattenkamera funktioniert recht gut, nur für das Blitzlicht war's etwa 1 Pfund Magnesiumpulver zuviel. Das streckt die gesamte Gesellschaft nebst Diorama zu Boden.
Der Interkontinentalexpress startet planmäßig wie alles auf dem Neos. Sinus liefert zum Gaudi der Mitreisenden noch einen Stunt mit einem Dekorationselement.
Erste Station der Fahrt ist die Großbaustelle am Schwarzen Fluss. Hier wurde ein gigantisches Wasserkraftwerk errichtet, das heute noch eingeweiht werden soll. Beim Lustwandeln auf der Dammkrone schleicht sich hinter den Rücken der Digedags ein alter Bekannter und Widersacher entlang: Edelschurke Peer Tyla. Wo der auftaucht, muss man schlimmstes befürchten. Und tatsächlich hat er ein äußerst linkes Ding auf der Pfanne.
In den schmucken Baracken des Arbeiterwohnheims wird gerade zum vorfristigen Feierabend getutet, denn alle wollen heute an der Einweihungsfeier des neuen, revolutionären Wasserkraftwerks teilnehmen.
Nur Elektriker Pepi bekommt von seinem Meister noch einen Sonderauftrag aufs Auge gedrückt. Und das, wo seine Braut schon vorm Werktor schmachtet.
Das ist die Gelegenheit für Peer Tyla, der sich hier Pet nennt.
Weniger, dass er sich bei Pepi einschleimen wollte, aber eine gute Gelegenheit für ihn, noch einmal in der Staumauer abzutauchen und seinen terroristischen Auftrag auszuführen.
Bald hat er für seine brisante Thermosflasche ein lauschiges Plätzchen inmitten der
Schaltkästen gefunden.
Pepi hat sich derweil entkeimt und frisch gewandet. Nun kann er seinem Liebchen ohne Furcht vor Müffelitis entgegentreten. Doch ein echter Junge hat auch immer ein Taschentuch in der Hose. Da seine eigenen gerade aus sind, borgt er sich eins aus Peer Tylas Spind.
Beim anschließenden Prominieren mit Putzi fegt Gevatter Wind plötzlich das schicke Hütchen der Braut über die Mauerbrüstung. Ein tollkühner Baggerführer bietet sich zur Rettung des Kopfputzes an. Er will den Deckel sogar auf Putzis zartes Haupt zelebrieren. Doch der Greifer enthält nicht nur das Hütchen, sondern auch einen Kubikmeter gestaute Nässe. Beim Abrubbeln der putzigen Haare verfärbt sich plötzlich Tylas Taschentuch und gibt einen Plan der Staumauer zum besten.
Pepi weiß sofort, was die Stunde geschlagen hat und eilt stracks zum Sicherheitsdienst des Objektes. Doch der wachhabende Genosse ist etwas schwer von Begriff. Als ihm Pepi in seiner Verzweiflung auch noch an die Dienstwäsche geht, brennt dem Wachtmeister die Sicherung durch und er arretiert den cholerischen Elektriker. Die Zeit läuft gegen die Großbaustelle, Pepi macht akustischen Terror. Das ruft den Inspektor auf den Plan, der begreift etwas schneller als sein Untergebener und lässt Pepi laufen. Der Inspektor soll derweil die Bombe im Heuhaufen suchen und Pepi will sich Peer Tyla greifen.
Der Saboteur lauert schon sehnsüchtig auf den bestellten Fluchtschrauber.
Als Peer Tyla nach der Strickleiter greift, bekommt ihn der nahende Pepi an den unteren Extremitäten zu fassen. Pepi lässt sich weder durch Tauchen ins Wasser noch ins Geäst abschütteln. Dann endlich muss der schon schwächelnde Peer Tyla selbst loslassen.
Merke auf: auch ein Elektriker kann einen gefährlichen Klassenfeind erledigen. Pepi schleift ihn am Kragen in die Festversammlung, doch der Countdown ist schon bei "Zero" angekommen. Die Explosion bleibt jedoch aus, vermutlich hat der Inspektor seine Sache gut gemacht.
Damit ist neben der Bombe auch der im großneonischen Sold stehende Schurke entschärft worden.
Der letzte verbliebene Halunke wird den Digedags noch lange zu schaffen machen - Mac Gips.
 
Beilage:
Klaus und Hein erzählen aus dem Pionierleben - Ohne Mais kein Preis (Die Wunderwaffe Mais wird's richten, Maismuffel Onkel Gustav wird von den strategischen Vorzügen der gestengelten Wurst überzeugt)
Rückseiten-Prosa:
"Der Mensch verwandelt das Gesicht der Erde.
Er rodet Wälder und macht aus Wüsten fruchtbare Äcker.
Er gründet Städte und legt Straßen und Eisenbahnen durch das Land.
Er errichtet Stauwerke und nützt die Wasserkraft der Ströme.
Er schafft sich - in einer Welt ohne Unrecht und Unterdrückung - in gemeinsamer schöpferischer Arbeit ein Leben in Frieden und
Wohlstand."
Am Rande bemerkt:
Von Sinus trennt man sich, er will im Elektrizitätswerk Ingenieur werden. Einmal taucht er noch auf, dann ist auch der letzte Faden zur Römerserie abgezwickt. Was hat schon ein alter Römer in der DDR verloren?!
Die kleinere Schwester des Staudamms am Schwarzen Fluß war sicher die Rappbode-Talsperre, sie wurde 1959 fertig gestellt und ist 106 m hoch sowie 415 m breit.

 

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