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32 Der Blitz als Entdecker Juli 1959


Die Tiefsee-Expedition ist nun abgegessen und die Digedags verlassen die Instituts-Insel wieder. Auf dem Weg zum Hafen schüttet es wie aus Eimern. Dag muss das gesamte Gepäck buckeln, wogegen Dig lediglich zwei Eimerchen mit Heilschlamm durch die Kante trägt. Als Dag dann noch der Trödligkeit bezichtigt wird, brennt ihm die Sicherung durch. Wütend kickt Dag einen Eimer ins Unwetter. Der schöne Schlamm! Zu allem Unglück für Dig schlägt auch noch ein Blitz in die Büchse ein. Eine zufällig des Weges kommende Straßenwalze ist nicht in der Lage, den Eimer platt zu machen. Der freundliche Walzenpilot opfert sein original Schweizer (natürlich aus der sächsischen Schweiz!) Offiziersmesser, doch auch Hammer und Sichel können dem Marmeladeneimer nicht beikommen. Für weitergehende Untersuchungen bleibt keine Zeit, denn Schlick drängelt.
Nun lesen wir erst einmal eine wissenschaftliche Abhandlung über Strömungseigenschaften im allgemeinen und Tragflächenboote im besonderen.
Auf dem Festland ist Eile geboten, Professor Schlick hat schon telefonisch ein Institut für die Schlamm-Versuche gebucht.
Dort wartet bereits Doktor Knilch im Hochspannungslabor. Sein Assi hat eine Blitzdonnerwetterphobie und sucht schnell das Weite.
Der Versuch mit dem künstlichen Blitz gelingt wie erwartet prima und den Anwesenden präsentiert sich ein Klumpen Metall, hart wie Alu und leicht wie Kruppstahl.
Jetzt partizipiert der geneigte Leser am Lehrgang "Vom Bauxit zum Kochtopf". Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, diese beiden Seiten waren besser gemacht als die entsprechende Passagen im entsprechenden Chemie-Buch.
Nach dem Versuch wird Knilch von seiner Angetrauten besucht, sie ist nicht gerade der sympathischste Typ Weib. Und ab hier gerät Dr. Knilch auf die schiefe Bahn, denn seine Alte will den Ruhm der Entdeckung selbst vermarketingen.
Zu diesen Zweck wird "Herr Dig" zusammen mit Herrn Dag von der Knilch zu einem Cafe-Besuch eingeladen. Dort werden die beiden Digedags, die Süßigkeiten bekanntlich stark zugeneigt sind, regelrecht abgefüllt. Auch als der Eichstrich schon erreicht ist, wird noch mal nachgelegt. "Fürchte den Bock von vorn, das Pferd von hinten und das Weib von allen Seiten", wusste schon Tschechow zu warnen.
Mit dem Rettungswagen gehts ab in Richtung Krankenhaus zum lustigen Magenauspumpen.
Am nächsten Morgen ist im Labor ein Gremium erlesener Wissenschaftler angetreten. Erneut haut der Blitz in die Pampe, aber es tut sich nix. Kann es auch nicht, denn Knilch, der Knilch, hat das hochwertige Mineralgemisch mit gewöhnlichem Gullyschlamm vertauscht. Selbst eine Erhöhung der Dosis bringt nur größeren Dreck zustande. Bei der bissigen Bemerkung "Schlick bleibt Schlick, hähä." verliert selbiger die Nerven und stülpt dem Nörgler den Schlammrest übers gelehrte Haupt. Knilch ist als Zeuge der Verteidigung natürlich wertlos, so wird der Professor kurzerhand in eine Nervenklinik eingewiesen.
Frage an die Bundesgesundheits-Ministerin: Ist bei solch unfreiwilligen Arztbesuchen eigentlich auch die Praxisgebühr zu entrichten?
Apropos Psychologie: Da gibt es nun Millionen von Menschen, die schlendern durchs Leben, glücklich und zufrieden, und keiner sagt ihnen, wie krank sie doch sind.
Die Knilchin hat sich jetzt als Krankenschwester in die Klapse eingeschleust, denn der Professor muss den Fundort des Minerals noch auspacken. Sie bietet ihm uneigennützige Rehabilitationshilfe an, doch so kaputt ist Schlick nun auch wieder nicht, er wendet sich lieber an Dr. Schluck.
Ein Papierflieger bringt Nachricht von den Dig und Dag, die in einem Nachbargebäude logieren. Hier sehen wir erst- und einmalig eine Handschriftprobe der Digedags.
Als Zivis verkleidet, wollen sie Professor Schlick mit einem kühnen Handstreich aus dem Irrenhaus befreien.
Dies scheitert an der Wachsamkeit der Knilchin, die Dagse haben Not, sich selbst zu retten. Auf ihrer Flucht stoßen sie mit Schluck zusammen und übernehmen sogleich den mitgebrachten Schlamm.
Da sie in dieser Situation auf keine künstlichen Blitze zurückgreifen können, brauchen sie wieder ein Gewitter. Das gibts heute gratis.
Beim Eimer-an-die-Blitzableiter-hängen werden sie ertappt und eingebuchtet. Doch aus ihrem Zellenfenster können sie den letzten vergessenen Eimer im Blitzlichtgewitter beobachten.
Und endlich schlägts dreizehn, die Digedags machen Rabatz. Der freundliche Oberwärter genehmigt ihnen einen Freigang außer der Reihe. Auf die Natur ist Verlass, der Schlamm hat sich wieder in Metall verwandelt. Schluck hat Schlick befreit, und der wiederum die Digedags entlastet. Es wäre eigentlich alles gut, wenn da nicht noch Dr. Knilch wäre. Auf Schlicks Vorschlag hin, das neue Zeugs "Digedanium" zu nennen, fordert er keck: "Knilchinium muss es heißen!".
 
Beilage:
Klaus und Hein erzählen aus dem Pionierleben - Die Sportskanone (Leibesertüchtigung anstatt Fresserei, Bruno samt Mutter werden sportlich. Ein kleiner Seitenhieb auf den merikanischen Impralismu: "'Fehlstart' heißt es auf der Stell', wie auf Kap Canaveral!"
Rückseite:
Der Blitz in allen Varianten.
Ist zwar off-topic, aber:
Als der verehrte Bruder der DDR, Genosse Nicolae Ceausescu, Mitte der Siebziger des vorigen Jahrhunderts die TU Dresden mit seinem Besuch beehren musste, sollte er auch mit Blitz und Donner beeindruckt werden. Dazu wurden im Vorfeld zwei Tests im Hochspannungslabor durchgeführt, die zum totalen Energie-Gau auf dem Campus führten.
Die echte Performance hat aber dann hingehauen, sonst wären wahrscheinlich Neueinstellungen von diversen Fachkräften notwendig geworden. Bestimmt auch ein Verdienst von mehreren Hundertschaften Berufs-FDJlern als Schmeichlerchöre, alle in graue Flanellhosen gewandet mit seltsam ausgebeulten Hosentaschen. Sogar Gullydeckel und Dachfenster wurden bewacht. Freundschaft, Genossen ...
...  und
Ciao Cescu !

 

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