Homepage |  | Comics |  | zurück  


 

 


34 Geheimsache Digedanium September 1959


Ort der kriminellen Handlung:
DAS Hüttenkombinat.
In diesem gigantischen Komplex soll das Wundermetall mit Namen Digedanium in die sozialistische Großproduktion übergehen. Doch, seid wachsam, Metallwerker, der Feind mattet nicht. Merkwürdigerweise ist Professor Schlick als Meeresforscher auch stark in die Metallurgie involviert, scheint ein Universalgelehrter zu sein. In der gewerkschaftlich garantierten Pause verlassen die Digedags mit Professor Schlick das Betriebsgelände, denn sie wollen bei der Ankunft der Radfernfahrer (1959 hatte Gustav Adolf Schur die Einzelwertung der "Internationalen Friedensfahrt" gewonnen) im Stadion dabei sein.
Die Werkskantine erhält gerade die monatliche, kontingentierte Getränkelieferung in rustikalen, zeitgemäßen Holzfässern.
Für den Kneiper ist noch ein Brief seines Kegelbruders Emil dabei. Dieses Schreiben stürzt den guten Wirt ob eines illegalen Ansinnens in fürchterliche Gewissensnöte. Er wird gebeten, einen papierelosen Kellner ins Werksgelände einschleusen. Doch egal, die Prämie kann er gut gebrauchen.
Besagter Servierer soll sich in einem der Fässer aufhalten, aber Fehlanzeige. Der Bierkutscher hat nach "last-in-first-out" geliefert, weiß aber immerhin noch, wer alles etwas abbekommen hat.
So bleibt dem Wirt nichts anderes übrig, als seinen Drahtesel zu satteln und die Lokationen der reihe nach abzuklappern.
Erste Station ist eine gutbürgerliche Hochzeitsfeier, sozusagen voll die Orgie. Als der Wirt bemerkt, dass das Fass nur Bier enthält, ist es auch für Brautpaar und Gäste mit dem gemütlichen Teil des Festes vorbei.
Nächster Anlaufpunkt ist der Ausflugsdampfer "Krabbe", welcher gerade in See stechen will. Mit Mühe erreicht er den Laderaum und waltet dort wie ein trunksüchtiger Teutone - das nennt man schlicht Alkoholmissbrauch.
Beim Anblick der gelben Plörre vermutet die Besatzung die totale Leckage und verlässt das sinkende Schiff. Der Wirt ist der letzte Mann an Bord und setzt den Kahn auf einer viel befahrenen Chaussee auf Strand. Obwohl er von rechts kommt, nimmt ihm eine Straßenbahn die Vorfahrt. Weil es stark pressiert, begeht er auch noch Schifferflucht.
Sein letztes Ziel ist die "Sport-Klause" am Stadion, in welchem die Radfernfahrt verenden soll. Unter stürmischem Beifall der tobenden Massen schießt der Wirt als erster über die Ziellinie.
Als man bei ihm keine Startnummer entdeckt, wird ihm der Siegerkranz wieder aberkannt. Die Klause ist leer, denn alles verlustiert sich im Stadion. Endlich entdeckt er auch das sprechende Fass, das er mit seinem Fahrradanhänger nun erst noch ins Werk schmuggeln muss.
Nach der Ehrung des echten Siegers schwirren auch Schlick und die Digedags zurück.
Nun müssen wir eine lehrreiche Werksbesichtigung über uns ergehen lassen. Auf den Mittelseiten ist das "Kombinat" mit seinen irdischen Anlagen wie Siemens-Martin-Stahlwerk und Thomaswerk dargestellt. Professor Schlick erklärt dem Leser die Vorgänge in der Metallurgie aus der Sicht des Tiefseeforschers.
In den Laboratorien beginnt bereits die Prüfung des neuen Metalls auf Herz und Nieren.
Zug- und Druckeigenschaften sind vielversprechend - ein super Stoff. Schlicks beiden Assistenten hat die Arbeit Appetit gemacht und sie stärken sich in der Betriebskantine. Nachdem der erste die bestellte Flasche Sprudel vom Neuen über die Schuhe bekommt und der Agenten-Kellner in der Küche die Späne aus dem Krepp extrahiert, kapiert der Wirt, wofür er die 1000 Valutas abgegriffen hat. Der Agent gibt sich ihm auch gleich als besoldeter Angestellter des Großneonischen Geheimdienstes zu erkennen. Dem anderen Assi ergeht es natürlich genauso. Den richtigen Grund schlussfolgert Dag in dem Moment, als er sich selbst einen Digedanium-Span entritt. "Kombiniere, kombiniere ...", entfährt es dem Dag, der Sherlock Holmes war.



Unterdessen kommt ein waschechter Gastronomiker von der Kaderabteilung, um die vermeintlich freie Stelle zu besetzen. Der Agent mauert den braven Arbeitssuchenden in ein leeres Fass ein und übernimmt dessen Identität. Nach erfolgter Straftat hat der Halunke jetzt eine Stärkung nötig und schickt den Wirt in den Keller, ein frisches Fass zu eröffnen.
Nun tauchen auch die Digedags in der Kantine auf, um ihre eigenen Nachforschungen zu betreiben. Der Agent bietet den beiden Bier an, das von den Digedags trotz streng abstinenzlerischer Grundeinstellung nicht sofort ausgeschlagen wird, man muss ja mit dem Kerl ins Gespräch kommen. Ein Hilfeschrei aus dem Bierhahn weist den Weg in die Gruft.
Im Gerangel verkeilen sich die Digedags und der Spion in einem Regal. Der Wirt hat mittlerweile kalte Füße bekommen und den Werkschutz gerufen.
Der richtige Kellner wird aus dem Fass entnommen, der Agent verhaftet, und der Wirt verzinkt seinen Kegelbruder Emil, den alten Vereinsmeier. Selbstkritik rundet die Geschichte ab, für lumpige 1000 Valutas  sollte man solch ein Risiko wahrlich nicht eingehen.
 
Beilage:
Klaus und Hein erzählen aus dem Pionierleben - Der Pionierexpress (Vertiefung der beiden strategischen Themen "Maisanbau" und "Kaninchenzucht". Auf die Genossen von der MTS (Maschinen-Traktoren-Station) ist immer Verlass)

Rückseite:
Hochofen-Funktionalitäten

Das Heft bietet gleich zwei zeitgenössische Highlights: Radrennen und Metallurgie.

"Course de la Paix"
Seit 1952 donnerten jährlich Radfahrer über Asphalt und Kopfsteinpflaster der drei "Bruderstaaten" DDR, Polen und Tschechoslowakei. Am 1. Mai 1948 startete die erste Fahrt, zwischen Prag und Warschau mit Rückfahrt, denn jede Stadt wollte ihre Sieger eigenhändig feiern. 1949 boykottierte Jugoslawien das Rennen, es gab Diskrepanzen in der Stalin-Betrachtungsweise. Die noch frische DDR nahm erstmalig 1950 teil, 1952 wurde sogar die "Republik" in die Strecke integriert und Berlin, "Hauptstadt der DDR", mit einbezogen. Die ersten Siege für Fahrer der DDR gab es 1953. Auch die BRD konnte sich dem Spaß nicht verschließen, sie feierte 1956 Premiere im Rennen. 1969 fehlte die CSSR ("Prager Frühling"). Auch die "Ruhmreiche" wurde später berücksichtigt, 1985 gab es drei Etappen in Richtung Moskau. 1991 bis 1994 eine Krise: nach Deutschland stieg auch Polen aus. Ab 1996 gibt es wieder den traditionellen Kurs durch alle drei Länder.
Ja, sie lebt noch, die "Internationale Friedensfahrt", 2004 fand die 57. statt. Was als Amateurveranstaltung begann, ist wie alles im Sport mittlerweile dem schnöden Kommerz verfallen.

Vorbild in Heft 34 war das Eisenhüttenkombinat "J. W. Stalin" in der ersten sozialistischen Stadt der DDR : Stalinstadt. 1950 von der SED beschlossen, ging schon 1951 der erste Hochofen in Betrieb. Im gleichen Jahr begann der Bau einer 25000-Proletarier-Stadt, der 1957 von Ulbricht der Name "Stalinstadt" verliehen wurde.
Stalin war lediglich der "Künstlername" innerhalb seiner Partei. Eigentlich hieß er Iossif Wissarionowitsch Dshugaschwili.
Stalin ging der Menschheit glücklicherweise im Jahr 1953 wieder verloren. 1956 rechnete Chruschtschow auf dem KPdSU-Parteitag mit Stalin ab, auch Ulbricht (als vormals großer Fan des Meisters) distanzierte sich später vom Stalin-Kult. Trotz allem wurde Stalinstadt erst 1961 in Eisenhüttenstadt umbenannt.
Als Kostbarkeit folgt hier die Lobeshymne des DDR-Oberhofschmeichlers Becher (Nixus Talentus lässt grüßen) an den großen Wohltäter aller Menschen (vollst. Fassung):

Stalin [Auszug]

Es wird ganz Deutschland einstmals Stalin danken.
In jeder Stadt steht Stalins Monument.
Dort wird er sein, wo sich die Reben ranken,
und dort in Kiel erkennt ihn ein Student.
Dort wirst Du, Stalin, stehn, in voller Blüte
der Apfelbäume an dem Bodensee.
Und durch den Schwarzwald wandert seine Güte,
und winkt zu sich heran ein scheues Reh.
Wenn sich vor Freude rot die Wangen färben,
dankt man Dir, Stalin, und sagt nichts als: "Du!"
Ein Armer flüstert "Stalin" noch im Sterben,
und Stalins Hand drückt ihm die Augen zu.

 

 © Copyright 2000-2017 Orlando Seitenanfang | HomepageeMail | Impressum