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35 Die große Flugschau Oktober 1959


Durch Professor Schlicks freundliche Vermittlung sollen die Digedags den Ober-Flieger der Republikanischen Union kennen lernen. Der südländisch-looking-Typ heißt Tonio Turbo und bewohnt eine Vorort-Villa.
Turbo arbeitet als Chefpilot für das Flugzeugwerk, in dem der Digedanium-Airbus geschraubt werden soll. Nach Übergabe der Digedags an die Familie Turbo entfernt sich Schlick wieder in Richtung "Garnele".
Die Wartezeit bis zur Audienz wird den Digedags von Turbos Kinderchen verkürzt. Tino und Tina, die Kinder des Autopiloten, zeigen den Digedags die vielfältigen Sammlungen ihres  Erziehungsberechtigten. Tonio Turbo scheint Alles-Sammler zu sein. Zu seinem Fundus gehören tote Schmetterlinge, Angelruten und die nicht wegzudenkenden, aber für den Verdienten Flieger des Volkes unerlässlichen, einschlägigen Ehrenpokale.
Selbst Steckenpferde sind sein Steckenpferd. Die Kinder haben aus Papas Angelruten das Modell eines chinesischen Drachens für den "Flugtag" konstruiert, ziemlich verwegen, das Ganze. Turbo hat eben Besuch vom tapferen Schneiderlein, denn zum Flugtag will er stilecht herumhampeln.
Der schmächtige Herr der Nadel ist dem Ansturm der Kinder nicht gewachsen und voltigiert mit Kaktus und Fischglas. Das bringt den beiden Kleinen Schelte und Stubenarrest ein. Vati Turbo ist hart, aber ungerecht.
Tonio Turbo führt die Digedags anschließend durchs Flugzeugwerk.
In der Konstruktionsabteilung entsteht auf dem guten alten Reißbrett gerade ein "Strahljäger für unsere Luftverteidigung".
In der Werkhalle bietet sich ein ähnliches unziviles Bild. Die Teile scheinen bei Mikojan/Gurewitsch gekupfert worden zu sein.
Natürlich darf der Chefkonstrukteur bei der Visite nicht übergangen werden.
Für den Flugtag hat sich Dr. Schneider (starke Ähnlichkeiten mit dem Zeichner Erich Schmitt) echte Schwingen gebastelt, die sogar für eine Notlandung im Papierkorb taugen.
Den Digedags gelingt es, Turbo zu erweichen und das Karzer-Urteil der Kinder in erster Instanz rückgängig zu machen.
Auf zwei Doppelseiten werden nun die an der Flugschau teilnehmenden Modelle vorgestellt, eine Seite widmet sich dem Thema "Aus der Geschichte des Menschheitsfluges". Alles sehr irdisch. Nach dem großen Defilee geht die Jury durch die Reihen und will den turbokindlichen Kastendrachen zum besten Stück des Abends küren. Da die nominierten fliegenden Kisten aber funktionieren müssen, und der Drachenantrieb noch ungeklärt ist, ziehen die Juroren, Betroffenheit heuchelnd, wieder ab. Da sind natürlich auch die Erbauer sauer, und diese Pleite mit den guten Ruten. Turbo wird rotieren vor Ärger!
Nun beginnen die praktischen Übungen. Die beiden Abschlussfeuerwerksvorbereiter werden als Haltemannschaft eines Luftschiffes abkommandiert. Und da wittern die Digedags Morgenluft. Mit den Feuerwerks-Raketen müsste doch was zu machen sein. Oberfeuerwerker Brand und Unterfeuerwerker Blase hängen mittlerweile an den Seilen des Zeppelins und führen eine nette Unterhaltung über die lokalen Fußballgrößen Gustav und Richard Holzer. In ihrer Fachsimpelei vergessen sie ihre Umgebung und winden die Seilenden um eine Gartenbank. Als das Kommando "Los!" ertönt, erheben sie sich mit in die Lüfte.
Die Digedags halten sich derweil ungestört am herrenlosen Feuerwerk schadlos. Bald darauf schießt auch das Angelrutenprojektil in den Nachthimmel. Bei diesen tollen Effekten ist ihnen dann der Oscar doch noch sicher. Der erste Preis ist ein Sportflugzeug, leider sind Tino und Tina noch zu jung für einen Flugschein. Aus Dankbarkeit für die Hilfe schenken sie das Ding den Digedags. Doch auch ihnen bleibt ein Wermutstropfen nicht erspart. Paragraphenreiter Turbo eröffnet ihnen, dass sie ebenfalls einen Flugschein brauchen, um den Himmel der Republikanischen unsicher machen zu können. Da können sie ja noch froh sein, dass ihnen die Schwarzflüge mit der "Mücke" nicht postum angekreidet werden.
Dag, ziemlich aufmüpfig, beschimpft die Bürokratie im Staate Neos.
Für den Erwerb der Pappe bietet sich ihnen Tonio Turbo an, der rein zufällig eine Pilotenschule übernehmen soll.
 
Beilage:
Klaus und Hein erzählen aus dem Pionierleben - Der Verkehrssünder (Bruno muss wieder mal als Depp herhalten, diesmal als chaotischer Radfahrer)

Rückseite:
Utopistisches Projekt und Werbung für TU 114 (Turboprop von Tupolew)

Der deutsche demokratische Flugzeugbau:
Auf der Suche nach internationaler Anerkennung sowie nach einem Exportschlager rief Ulbricht 1954 ein ehrgeiziges Projekt ins Leben, die Entwicklung eines vierstrahligen Passagier-Düsenjets in der DDR.
In den folgenden Jahren wurde in Dresden das erste deutsche Strahlverkehrsflugzeug in drei Prototypen gebaut. Es lief unter der Bezeichnung "152" und basierte auf einer Entwicklung der Junkers-Flugzeugfamilie (JU 287). Nach dem Konstrukteur Brunolf Baade nannte man es auch "B-152". Der Jungfernflug (ein schönes Wort) fand bereits im Herbst 1958 statt, im März 1959 gab es dann eine Katastrophe.
Die Reise sollte von Dresden-Klotzsche nach Leipzig führen, doch sie endete schon bei Ottendorf-Okrilla vorzeitig.
Bis heute konnte nicht endgültig geklärt werden, was die wahre Ursache des Absturzes war. Obwohl ein reichliches Jahr später eine verbesserte "152" fertiggestellt wurde, war der Niedergang der Flugzeugindustrie nicht mehr abzuwenden. Das Flugwesen blühte in der DDR lediglich von 1955-1961.
Nachdem die Sowjetunion als Hauptabnehmer (sie wollte ursprünglich 100 Maschinen erwerben) 1959 den Rückzug aus ihren Absichten erklärt hatte, war das Ende des "VEB Flugzeugwerke Dresden" eingeläutet. Obwohl auch viele andere Länder ihr Interesse an der "152" bekundet hatten, war es wohl nach Rückzug des Großen Bruders nicht mehr erwünscht, in der DDR eine Flugzeugindustrie zu etablieren.

 

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