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40 Tatort Papageienstraße 12 März 1960


Bhur Yham besucht nach Rückkehr von seiner Raumexpedition zusammen mit den Digedags die nationale Raumschiffschmiede der Republikanischen Union. Für das im Bau befindliche modernste Schiff des Weltalls wird ein neues Metall verwendet. Hier muss man das erste Mal das Universalwissen Bhur Yhams anzweifeln, denn Digedanium ist ihm fremd. Hat er auf seiner letzten Weltraum-Expedition keine Zeitung gelesen? Dass als Isoliermaterial weiterhin der antike Kunststoff verwendet werden soll, kann Yham nicht zufriedenstellen.
Wie's der Zufall will, ist gerade Messezeit. Auf der Chemiemesse wird sich schon etwas Passendes finden lassen.
Der Messesonderzug startet pünktlich, die Digedags schwitzen ordentlich nach dem Erklimmen des Bahnsteigs. Wie zum Possen ist auch noch die Dampfheizung an (etwas archaisch für den Neos!), so dass Dag das Fenster öffnen muss. Das deutet auch darauf hin, dass Frühjahrs-Messe angesagt ist. Ein bunt beleimtes Gepäckstück kommt durchs geöffnete Abteilfenster herein und geht auf Digs Haupt nieder. Dag findet's schade um den Koffer. Kurz darauf meldet sich der Eigentümer im Abteil, ein Vertreter in Sachen Dampfhämmer (schon wieder Dampf). Wir wissen schon, es ist kein anderer als der ominöse Mac Gips, seines Zeichens Agent der feindlichen Mächte.
Der holt sich das gute Stück gleich wieder. Hinter Digs Ohr ist ein Aufkleber zurückgeblieben. Bhur Yham identifiziert "San Sabodor" als großneonische Stadt.
Ein freundlicher Herr im Abteil taut in der Wärme auch auf und führt seine garantiert unverwüstliche Kunststoffbrille vor. Doch die Hitze der Heizung lässt das Nasenfahrrad wie einen Hefekloß aufgehen. Immerhin Anlass genug, den Digedags den Vorgang der Polymerisation von Kunststoffen zu erklären und dann von der Messe-Präsentation seiner Brille Abstand zu nehmen.
Der Mitropa-Kellner läutet bald zum Mittagessen, auch der Dampfhammerwerksvertreter begibt sich in den Speisewagen. Dag kommt der Kerl irgendwie bekannt vor. Dem Drängeln des Vertreters nach der bestellten Nudelsuppe gibt der Kellner, unterstützt durch eine scharfe Kurve, prompt nach. Er hat aber nur Tomatensuppe dabei, die er zusammen mit den anderen Speisen kunstvoll auf dem Vertreter anrichtet. Als der den Kellner ein wenig kritisiert, fällt auch bei Dig der Groschen.
Die Digedags folgen dem komischen Vertreter ins Abteil und stellen ziemlich peinliche Fragen. Plötzlich wird's dunkel und die Digedags sind pitschnass. Aber auch in anderen Abteilen ist das gleiche vorgefallen. Der Zugbegleiter löst das Geheimnis, der Tank einer im Tunnel entgegenkommenden Lokomotive war nur undicht.
Mac Gips klebt sich derweil im Klo seinen abgeweichten Spitzbart wieder ans kantige Kinn.
Auf dem Gelände der Chemiemesse lungert der Kerl am Plaste- und Elaste-Stand herum. Da Bhur Yham auch an den hier angepriesenen Produkten keinen Gefallen findet, schickt ihn der freundliche Kunststoff-Berater zu Sigi Stubenrauch, dem Assistenten von Professor Schmor.
LEXI erklärt uns inzwischen, wie man aus Kohle, Kalk und Wasser prima Kunststoffe schmoren kann (in der DDR bestens bekannte Materialien wie Duroplast, Dederon, Buna, PVC usw.).
Plötzlich begrapschen zwei zarte Hände Bhur Yhams bebrillte Lichter von hinten. Es ist Siria Kysur, neuerdings des alten Geheimniskrämers Angeheiratete. Eigentlich traut man dem bier-ernsten Bhur Yham gar kein Privatleben und -vergnügen zu.
Die Digedags ziehen sich diskret zurück, um das junge Glück nicht beim Balzen zu behindern.
Obendrein wollen sie die Sache Stubenrauch bearbeiten.
Dichte Qualmwolken wabern schon durch die Papageienstraße.
Doch die schleunigst alarmierte Feuerwehr wiegelt ab. Wenn's dort raucht, ist alles voll normal.
Sigis Bruder Robby öffnet die Tür und lädt die Digedags zum fröhlichen Experimentieren ein.
Geringe Anlaufschwierigkeiten können die Erfindung eines revolutionären Kleisters nicht mehr verhindern. Negativ ist bloß, dass dem Zeug ein Weichmacher fehlt. Nachdem sich Robby unlösbar an der Decke installiert hat, verschmelzen auch die Digedags mit ihren Hinterseiten. Eigentlich müssten sie nur aus ihren Jacken rutschen, aber dann wäre die Geschichte zu einfach.
Ihr einziger Ausweg ist Sigi, der angeblich noch Überstunden in der Uni schrubbt.
Im Labor werden die Digedags vom Dampfhämmerer überwältigt, in dem sie endlich auch Mac Gips wiedererkennen. Chloroform lässt die beiden sanft in den Standby-Zustand hinüberdämmern. Mac Gips wirft sie achtlos auf die Rückbank neben den gefesselten Studiosus, den er ebenfalls frisch gekidnappt hat. Ein Polizeiauto stoppt die Agentenkalesche und Sigi frohlockt schon. Aber die Ordnungshüter wollen nur die Strafe für Fahren ohne Licht abkassieren. Die Digedags gehen als volltrunkene Kinderchen des Fahrers durch. Um das Risiko zu minimieren, verklappt Mac Gips die beiden Träumer in den nächsten Straßengraben.
Als sie am anderen Morgen dort aufwachen, rekonstruieren sie die Begegnung und kommen zum Schluss, dass der Agent am neuen Kunststoff interessiert sein muss.
Dann entdecken die Digedags auch noch ihren Steckbrief an einer Wand, das Herz fällt ihnen in die Hosen. Schuldlos schuldig und verfolgt sind sie völlig deprimiert. Ihre Ehre können sie nur noch retten, wenn es ihnen gelingt, Mac Gips endlich seiner harten aber gerechten Strafe zuzuführen.
 
Beilage:
Steinchen an Steinchen - Kunststoffe im Dienste des sozialistischen Aufbaus
"Ein Moskauer Projektierungsbüro hat Pläne für fünfstöckige Wohnhäuser aus Beton entwickelt, die in 35-40 Stunden fertig erbaut werden können. Mit Plaste geht das natürlich noch leichter ..."
- eine Erfindung des Genossen Legowitsch

Rückseite:
Sommerfreuden aus Plaste

Die Leipziger Messe
Die Leipziger Messe ist mit ihrer über 800-jährigen Geschichte eine der ältesten Messen weltweit. 1497 bekam Leipzig das Privileg zur Ausrichtung einer Messe. Beginnend als reine Warenmesse ging man dazu über, ab 1895 die Messe als Mustermesse zu betreiben.
Den großen baulichen Aufschwung erlebte die Leipziger Messe in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Leipzig wurde zur "Reichsmessestadt". Nach 1949 war die Messe die einzige auf dem Territorium der DDR, Leipzig blieb die auch jetzt die "Messestadt".
Gleichzeitig waren die Leipziger Frühjahrs- und Herbstmessen die größten Messen im Bereich des RGW.

 

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