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42 Erdölpiraten Mai 1960


Kürzlich waren die Digedags von der Polizei zu Detektiven geschlagen worden, um den schurkischen Agenten Mac Gips zu ergreifen. Nun sagt man, Mac Gips hätte einen neuen Sabotageauftrag gegen die Union erhalten. Die Spur führt ins "Erdölgebiet" im Urwald des Schwarzen Kontinents.
Vier Wochen haben die Digedags vergeblich auf ein Zeichen gewartet, nicht einmal ölmäßig sind sie als verdeckte Ermittler in einer Bohrkolonne fündig geworden. Nach Feierabend genehmigen sie sich noch einen kleinen Jagdausflug mit dem Meister Funke, ein gefährlicher Name für einen Ölsucher.
Dig neckt ein schlafendes Krokodil, das den Spaß nicht so recht verstehen will. Um den Preis des Totalverlusts ihres Schlauchbootes kann der eigensinnige Dig den Kampf für sich entscheiden. Total durchnässt und fern der Heimat schleichen die Gekenterten ans Flussufer. Die Lust zum Jagen ist verflogen, jetzt heißt es, zu Fuß zurück ins Bohrcamp. Leider orientieren sie sich beim Rückweg am falschen Flussarm und verirren sich nach Strich und Faden. Da bleibt nur noch die pfadfinderische Übernachtung im Busch übrig. Dig kommt nun doch noch zum Schuss, der Delinquent entpuppt sich als magere Schnepfe. Meister Funke, immer im Dienst, war inzwischen nicht müßig und hat in Manier der Trüffelschweine eine ölhaltige Pfütze entdeckt. Obwohl das nicht gesund sein soll, braten sie ihre Beute über dem rußenden Ölpott. In einem unbeobachteten Moment mopst ein noch unbekannter Verbrecher ein Hühnerbein. Als Dig den Verlust bemerkt, versucht er, das Delikt Dag in die nassen Schuhe zu schieben. Das will Dag nicht auf sich sitzen lassen und es kommt zu einem leidenschaftlichen Zweikampf. Gute Gelegenheit für den Räuber, sich den zweiten Hühnerhuf einzuschieben.
Das lässt den Streit noch weiter eskalieren, im Ergebnis geht der Vogeltorso in den Zustand "Kohle" über.
Ist auch langsam Zeit fürs Bett geworden, Dig und Funke basteln sich Jean Pütz-mäßig aus diversen Lianenteilen schmucke Hängematten. Dag ist das zu stressig, er tauscht den Platz mit seinem Rucksackinhalt.
Als alles pennt, kommt auch der Unbekannte wieder zum Zuge und deckt sich mit der Ausrüstung der Schläfer ein. Dag wird im Rucksack untergetaucht, erst sein morgendliches Hampeln lässt seine Schlafstatt vom Ast abstürzen. Aber er fällt weich auf den Rücken eines Stachelschweins. Da man sich aber vermeintlich im "Eingeborenengebiet" aufhält, wird beschlossen, beim örtlichen Häuptling eine Beschwerde zu platzieren.
Ein paar Schritte weiter werden Dig und Dag mit Blasrohrpfeilen traktiert und verfallen in Lachkrämpfe.
O-Ton der Schützen: "Dalli dalli ule bule kokolores? Zangalabanga Bilonada wischi waschi tip top."
Die Sache scheint somit klar, trotzdem mischt sich der nächtliche Halunke ein und rät den Digedags, Fersengeld zu geben.
Auf der Flucht entdecken sie in der Ferne einen wegen Überdruck zerbröselnden Bohrturm. Mit einem Kanu paddeln sie in diese Richtung. Nach der Explosion des Öls retten sie einen Eingeborenen namens Palipapu. Aus den Erzählungen wird klar: Ölräuber von "der anderen Seite" (der Mauer) sind hier am finsteren Werke.
Mit Palipapu als Fürsprecher können sie sich vorm Häuptling als die Guten rehabilitieren. Nun dürfen sie auch das ewige Feuer im Tempel besichtigen. Dag gibt den guten Rat, das wertvolle Gas lieber zum Kochen als zum Funzeln zu verwenden.
Die Räuber, sehr treffend als "Ölkannengesichter" bezeichnet, wollen die Digedags ausschalten. Doch die Lampenrußtätowierung und der Dialekt des schlampig geklonten Hatschibumbatschi sind leicht zu durchschauen. Mit Hilfe des echten werden die Räuber ihrerseits in eine Falle gelockt und in der Schatzkammer gefesselt abgelegt.
Die republikanischen Ölsucher haben den Brandherd mittlerweile erreicht und müssen feststellen, dass eine unterflüssige Leitung das strategisch wertvolle Öl ans großneonische Ufer lenkt.
Ist alles ein wenig unlogisch, denn auch der Bohrturm sollte der "Grenzpolizei" irgendwann aufgefallen sein.
Interessant ist die Karte des "Eingeborenengebietes". Die Örtlichkeiten sind nach Tieren vieler irdischer Erdteile benannt. Das Hauptdorf nennt sich noch "Katenga", bald wird es "Großblocka" heißen und wahre Kultur wird einziehen. Eine weitere Explosion, diesmal im Dorf, haben die Räuber bei ihrem Selbstbefreiungsversuch verursacht. Eine unzweckmäßig eingesetzte Dynamitpatrone hat das Erdgas entzündet und den Tempelschatz vernichtet.
Die Digedags finden natürlich die richtigen Worte, um den Häuptling über seinen herben Verlust hinwegzutrösten:
"Ihr werdet in freundlichen Häusern auf einer weiten Lichtung wohnen und saubere Kleider tragen. Straßen und Eisenbahnlinien werden durch den Urwald führen und euch die weite Welt erschließen. Und all das verdankt ihr dem Erdöl, von dem du geglaubt hast, es wäre nutzlos."
Lexi setzt natürlich noch einen drauf mit seinem Zukunftsbild der blühenden Landschaften. Idyllische Bohrtürme, die später einmal nur noch vom Reiz der Windkraftanlagen übertroffen werden, bereichern die trostlose Vegetation.
Beilage:
Steinchen an Steinchen
- Warum wir ein Erdölkombinat bauen (Erdöl- und Erdgasvorkommen in der DDR, Kuibyschew-Schwedt - längste Erdölleitung der Welt)
Die berüchtigte Hakenkreuz-
Beilage des Mosaik 42

Rückseite:
Geologie, spezieller Aufbau der Erdschichten

PCK Schwedt
Die DDR-Führung fasste Mitte der fünfziger Jahre den weitreichenden Entschluss, eine leistungsfähige Petrolchemie aufzubauen. Das dafür nötige Rohöl sollte die Sowjetunion liefern. Allerdings unter der Maßgabe, dass die Erdölleitung ausschließlich von der DDR zu errichten sei. Die neu entstandene Pipeline endete im damals verschlafenen Ort Schwedt. Auf der grünen Wiese wurde in wenigen Jahren ein gigantisches Chemiewerk erbaut. Was jedoch völlig fehlte, waren dafür ausgebildete Arbeitskräfte und ein funktionierendes Umfeld. Um die nötige Infrastruktur zu schaffen, wurde das gesamte Gebiet einschließlich Schwedt komplett umgekrempelt.
1960 Grundsteinlegung
1964 Produktionsbeginn
1970 Gründung PCK (Petrolchemisches Kombinat Schwedt)

 

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