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45 Ziolkowski weist den Weg August 1960


Die Digedags sind gerade dabei, große Karriere als Hauptstadt-Schnüffler zu machen, da erhalten sie Bhur Yhams Einladung zu einer neuerlichen Weltraumreise.
Hals über Kopf brechen sie auf zum Raketenbahnhof. Nach dem herzlichen Abschied von je zwei Schlucks und Schlicks fällt den Digedags ein, dass ihr Zeitungs-Abo und der Wasserhahn weiter laufen. Aber halb so schlimm, sie kommen doch eh' bald wieder zurück.
Das Raumschiff XR 8, das edelste seiner Klasse, hebt vom Neos ab. Und bald ist dieser Gigant aus Digedanium und Stubenrauch'scher Plastverblendung den Blicken der Winkenden entschwunden.
Schon nach der ersten Flugwoche vereinnahmt die Digedags gähnende Langeweile, kein Klingonenangriff, keine Begegnungen mit Dr. Evil oder Lord Helmchen.
Alles läuft vollautomatisch, Quintilius Quick würde schier verzweifeln. Die Digedags erinnern sich, dass sie seinerzeit auf der Erde einen Raumfahrtpionier kennengelernt hatten und geben Bhur Yham die Geschichte zum besten.
Steht alles, sauber aufgezeichnet, im Tagebuch "Unsere Abenteuer".

Im Jahre 1892 durchqueren die Digedags im Rahmen einer Rußlandkreuzfahrt das Städtchen Borowsk. Auf einem verschneiten Dachfirst hocken zwei Gestalten - der Physiklehrer Ziolkowski und sein Schüler Sascha. Argwöhnisch wird ihr Tun von alten Weibern und den einschlägigen Dorfgrößen (Pope, Polizist, Lehrer) beobachtet. Die bösen Blicke lösen schließlich eine Lawine aus und Sascha fällt vom Dach wie ein Äpfelchen. Ist doch kein Vogel, schließlich.
Der Gendarm und die Pädagogen lamentieren, dass Ziolkowski die Jugend nur zu grobem Unfug anstifte. Die Digedags sind darob neugierig geworden und fragen den unbeschädigten Sascha nach einem Quartier für die Nacht. Bei Ziolkowskis Wirt, der gleichzeitig auch sein Schwiegervater ist, sind noch Strohsäcke frei. Gospodin Dag befiehlt seinem Kutscher: "Nimm das Gepäck,Timofej!". Jegor Nikolajewisch taut sich gerade seine tiefgefrorenen Hufe in einem Zuber heißen Wodkas auf. Timofej rächt sich für Dags Schikane und stellt ihre Reisetaschen im Fußbad ab. Barbara Jegorowa, die Dame des Hauses darf scheinbar nur die groben Arbeiten verrichten.
Sascha zeigt den Digedags auf dem Dachboden das Erfinderstübchen Ziolkowskis. Da sind Modelle von Raumstation, Luftschiff, Windkanal, Mondrakete und Metallflugzeug zu bestaunen. Ziolkowski hat am Abend noch eine Konferenz mit Lehrerkollegen, wo er seine utopischen Gedanken rechtfertigen soll. Sascha darf als Famulus mitkommen und die Modelle tragen.
Die Demonstrationen fallen für das Auditorium ein wenig zu intellektuell aus und sind für die Probanden auch kein rechter Spaß. Der Lehrer muss seine kantige Runkel für die Demonstration des Luftwiderstands hinhalten, der Polizeikommissar wird in Ermangelung des echten Mondes mit einer Feststoffrakete umrundet.
Nun, es kommt zur Auswertung und Ziolkowski werden verschiedene Sanktionen angedroht. Aber das hebt ihn schon nicht mehr an, denn er hat sich bereits mit seinen Arbeiten an der Petersburger Akademie beworben.
Zurück am heimischen Herd, liefert der Tischler gerade eine Windmaschine frei Haus. Damit werden die Eigenschaften des Flugzeugmodells getestet. Das unheimliche Rauschen lockt wieder die alten Vetteln auf den Plan, die in ihrer Angst sofort nach dem Väterchen Pope schicken.
Der Kirchenmann insistiert bei Ziolkowski, doch der treibt dem Schwarzkittel mit seiner Elektrisiermaschine den Teufel aus. Damit vergeigt er es sich beim Popen total. Hätte er nicht machen sollen, denn der Briefträger bringt keine so guten Nachrichten aus Sankt Petersburg.
Die Akademie hat keine Verwendung für die genialen Erfindungen, aber es ist ja bald Oktoberrevolution und dann soll alles besser werden.
Um auf andere Gedanken zu kommen, veranstalten die Gastgeber einen Samowarabend, wo Ziolkowski allerlei über mehrstufige Raketen zum besten gibt.
Sascha bleibt der Veranstaltung fern, er will seinen Kumpels das Flugmodell vorführen. Die jungen Flieger werden leider zu jungen Brandstiftern, denn die Cockpit-Beleuchtung setzt eine Scheune in Brand. Obwohl das ganze Dorf beim Löschen hilft, gibt es Totalschaden, auch Jegors Haus wird ein Opfer der Flammen.
Somit sind Ziolkowskis Unterlagen und Modelle verloren. Der vorerst letzte Schicksalsschlag ereilt Ziolkowski am nächsten Morgen. Eine Abordnung seiner Widersacher verkündet ihm die Strafversetzung in die Gouvernements-Hauptstadt Kaluga.
Die Digedags verlassen Borowsk gemeinsam mit Ziolkowski und seiner Frau.
 
Beilage:
Steinchen an Steinchen - Der Kolumbus des Weltraums
"... zweifelt heute auf der ganzen Welt kaum noch jemand daran, daß dieser Kolumbus ein Sowjetmensch sein wird."
10 Punkte!

Rückseite:
Vater der Weltraumfahrt:
Erst verlacht, aber nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution Förderung und Verbreitung der Lehren, heute [1960] sind "die meisten von Ziolkowskis Plänen verwirklicht":
"Sowjetische Sputniks, Luniks und ein riesiges Raumschiff umkreisen die Erde, die Sonne und den Mond."

Literatur:
Ein ähnlicher gearteter Dialog zum Windkanalversuch auf dem Dach erschien wenig später in:
"Der Mensch im All", von Kurt Hoffmann im Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1961.
Allerdings handelt es sich hier um eine sehr stark ideologisierte und einseitige, teilweise sogar falsche Darstellung der Raketenentwicklung auf der Erde. Die deutsche und amerikanische Komponente des Ganzen wurde vorsichtshalber unters rote Tischtuch verbannt.

 

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