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46 Erfindungen nicht gefragt September 1960


In der Raumschiff-Messe ist wieder Märchenstunde angesetzt. Kommandant Bhur Yham und sein Ingenieur Knips warten schon unter Hochspannung auf die neuesten Erinnerungen der Digedags an die Jugendzeit.

Heute nehmen wir mal das alte Ägypten durch - wir befinden uns in Alexandria.
Das Bibliotheksfaktotum Tutmosis erhält ein für den Direktor bestimmtes altes Buch aus dem Ausland. Sermones, der hiesige Büchereivorsteher ist gerade mit dem Wissenschaftsrat zugange, um festzulegen, welche Erfindungen so zulässig sind und wer als Erfinder überhaupt etwas zu erfinden hat. Ktesibios mit seinem Pfeifkessel und Heron mit der Aeolipile stehen im Mittelpunkt der Betrachtungen. Zum einen sind sie schon mal niederer Herkunft und obendrein erfinden sie noch lauter nützliches Zeugs. Das kann doch nicht der wahre Zweck der erhabenen Gelehrtenvereinigung "Museion" sein.
Ktesibios-Senior betreibt in Alexandria ein bekanntes Haarstudio. Dort ist gerade der Handwerker Monopolos am werkeln. Das Gejammer der beiden jungen Erfinder kann er nicht verstehen. Als freier Unternehmer würde er diesen Pfeifkessel schon einem ordentlichen Marketing unterwerfen. Monoplols' Leistung wird streng nach dem gültigen Rahmentarifvertrag der pharaonischen Klempnergewerkschaft honoriert.
Auch die beiden Junior-Frisöre Dig und Dag hat der Erfindergeist beseelt, nach Enthaarung des Fußbodens stürzen sie sich in den Feierabend. Beim Kochen des Abendessens - es gibt lecker Straußenrührei - entwickelt Dig ein dampfgetriebenes Eierkarussell. Dies wollen sie anlässlich einer Audienz beim König vorstellen, als Werbung für Heron und Ktesibios und für die Nutzung erneuerbarer Energien.
Eine Menge Kulturschaffender hat sich im Wartezimmer des Königs eingefunden, ausschließlich mit Gerätschaften "just for fun".
Da liegen die Digedags mit ihrem Eierkreisel voll im Trend. Der Obertorhüter Almoses, ein guter Kunde des Frisiersalons, lässt die Digedags außer der Reihe vortreten, was ihm einen Gratis-Haarschnitt beschert - manus manum lava.
Obwohl Sermones die Digedags als nicht zertifiziert betrachtet, werden sie vom König gnädig empfangen. Die ersten Umdrehungen der Zentrifuge erheitern die Gemüter noch ausnahmslos, doch dann löst sich ein Ei aus der Verankerung und trifft gerechterweise Sermones aufs Auge. Dem König gefällt das ausgesprochen gut, bis auch er einen Treffer registrieren muss. Nun hört der Spaß aber auf. Die Digedags kommen ebenfalls noch mit einem blauen Auge davon, das relativ milde Urteil lautet: Palastverbot.
Das Schälchen Pfefferminztee gereicht Ptolemäos auch nicht gerade zur Entspannung, ist viel zu lau, die Plempe. Jetzt sieht Monopolos seine Sternstunde nahen. Der von ihm plagiierte Pfeifkessel wird als erste nützliche Erfindung vom Herrscher zugelassen, auf dass es ständig heißes Wasser gäbe. Sermones insistiert wiederum und erreicht beim König gar nichts. Dafür hält er sich an Monopolos schadlos, pro hergestellten Kessel muss er 2 Goldstücke an Sermones abdrücken. Trotzdem ist Monopolos in Hochstimmung, denn die Binnen-Nachfrage ist enorm. Die 20 Leiharbeiter aus des Königs Personal-Service-Agentur reichen bei weitem nicht aus.
Heron und Ktesibios sind sauer und besuchen die Kesselmanufaktur, um sich zu beschweren. Aber Monopolos kann eine ordnungsgemäße Patenturkunde - ausgefertigt von Sermones - vorweisen. Um weiterem Ideenklau vorzubeugen, erfindet Heron eine Alarmanlage, lässt die Unterlagen aber frisörmäßig im Salon von Ktesibios herumliegen.
Als die Erfinder im Baumarkt ihr Material besorgen, kommt Sermones zum Haareschneiden. Die Meister der Tolle sind wahrscheinlich in allen Zeiten sehr gesprächig, nach der Erklärung des Planes hat es Sermones plötzlich eilig, wieder wegzukommen. Er malt Monopolos die Konstruktionszeichnung aus dem Gedächtnis auf. Heron hat mit den Digedags die Alarmanlage installiert, nun rücken sie bei Sermones ein. Aber beim Öffnen der Tür erklingt ein wohlbekanntes Geräusch, Monopolos war wieder mal pfiffiger als sie. Die Digedags gehen nun zu Plan B über. Es gelingt ihnen, Monopolos ihre Eierschleuder als Herons Erfindung unterzujubeln. Der fällt natürlich darauf herein. König Ptolemäos ist gerade mit dem diffizilen Problem des Obelisk-Aufrichtens beschäftigt, als ihn ein heißes Ei eiskalt im Genick erwischt. Das Hochreißen der Arme werten die Seilschaften als Signal zum Tauekappen. Das riecht nach dem Ende der Säule, Monopolos verzinkt vorbeugend Heron und Ktesibios. Die Digedags nehmen reuevoll alles auf sich, schließlich wollten sie nur Monopolos schaden. Aber wider Erwarten steht der Obelisk wie eine Eins. Fazit ist: Monopolos wird dankbar zum Hofmechanikus ernannt mit Pensionsberechtigung und 1000 Goldstücken Einstiegssalär.
Die Digedags triffts härter, aber wegen Geständigkeit gibt es noch mildernde Umstände.
 
Beilage:
Steinchen an Steinchen - Physikus lädt ein !
Besuch auf der "Messe der Physiker von Morgen". Allerlei physikalischer Schnickschnack wird unter zeitgemäßen Umständen präsentiert.

Rückseite:
Die Geschichte vom Riesen Dampf

 

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