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50 Das letzte Fest Januar 1961


Nachdem die Digedags ihre Zwangsvollstreckung mit Würde überlebt haben, sind sie nun doch dem ehrbaren Stand der fahrenden Leute beigetreten. Sie gehen voll auf in ihrem neuen Job. "Wie der leere Magen schaukelt! Ach, es hat sich ausgegaukelt, hat der Graf kein Silber mehr, bleibt auch unser Beutel leer."
Der Graf begeht heute sein 50. Wiegenfest und veranstaltet auch seine voraussichtlich letzte Feierstunde. Und damit's noch ein richtiger Kracher wird, hat er sich für die kulturelle Umrahmung eben die Gaukler eingeladen.
Trotz allem sieht er es gelassen, seine Gruben sind zwar abgesoffen, aber irgendwann werden sich schon ein paar Taucher finden. Nach Einlass der Gaukler zelebriert die Wahrsagerin Zenobia eine speziell auf den Grafen zugeschnittene Vorhersage. Sie ist natürlich nicht preiswert, aber immerhin billig. Der Burgherr will sich vor der Bezahlung drücken und behauptet, er wäre zur Zeit leider ein wenig insolvent. Doch ein Gaukler beweist ihm sofort das Gegenteil, er zerrt dem Grafen eine erkleckliche Barschaft aus seinem Riecher. Vergeblich versucht der Graf sich selbst zu melken, er holt keinen Pfennig hervor. Die Digedags, hilfsbereit wie immer, reißen ihm die Gurke fast aus dem Zifferblatt. Spaß muss schließlich sein. Weil Zenobia erneut wegen ihrem Geld quengelt, schickt der Graf seinen Finanzminister aus, im Wirtshaus eine Vergnügungssteuer zu erheben.
Aber der Vogt kommt mit seinem Ansinnen bei den fröhlichen Zechern nicht gut an, die reden ihm die bösen Absichten tätlich aus.
Der Tumult aus der Kneipe lässt eine draußen Kutsche ihre Fahrt unterbrechen. Schon will der Besitzer seine Knechte zum Schlichten hineinschicken, da kommt des Übels Wurzel aufs Pflaster geflogen.
Der vornehme Kalescheninhaber ist Philippus Raffer, seines Zeichens reicher Kaufherr aus Augsburg. Er lädt den gebeutelten Vogt des Grafen zum Tafeln ein, um ihn ordentlich auszuforschen. Im Ergebnis dieses Geschäftsessens fährt er mit dem Vogt zur Burg, um gräfliche Hoheit näher kennenzulernen.
Auf der Burg konnten sich die Gaukler wenigstens an den Resten des Büfetts schadlos halten, werden nun aber daran erinnert, dass sie nicht zur Mast einbestellt wurden.
Um in Ruhe mit dem Grafen kungeln zu können, steckt Raffer erst mal ein Goldstück in die Musikbox.
Schließlich einigen sich die beiden darauf, dass Raffer die Gruben saniert und der Graf ein Viertel des Erlöses als Taschengeld bekommt.
Am nächsten Morgen liegt die Inspektion von Raffers neuem Besitz an. Der Graf hat wieder ordentlich Höhe bekommen und spricht nur noch in Reimen.
Selbst seine Bediensteten kolportieren die erhabene Dichtung.
Philippus Raffer ist vom Zustand der Bergwerke schlicht geplättet, verspricht jedoch, zu seinem Wort zu stehen. Die Bergleute wittern Morgenluft, mit Raffer scheint ihnen die Rettung nahe.
Zurück auf der Burg gerät der Graf in die Demonstration der Schaustellergewerkschaft.  Die Gaukler fordern die vertragsgerechte Entlohnung ihrer Leistungen. Da sich der Graf weigert, bläst Dig Niespulver in die Nüstern von des Grafen Gaul, und der Graf fällt aus Maul.
Das endet mit schwerer Sicherheitsverwahrung für die Digedags...

Ein halbes Jahr haben die Digedags nun schon im finsteren Kerkerloch der Burg ausgeharrt. In der Zeit waren sie natürlich nicht faul, neben der Mäusedressur haben sie einen Mauerstein gelockert und schieben ihn nun nach draußen. Doch draußen ist nicht immer an der frischen Luft.
Ihre Flucht führt sie nur in die Wachstube der Haftanstalt.
 Zur Strafverschärfung und zur Förderung der bergbaulichen Neigungen will jetzt der Graf den Digedags eine Tätigkeit unter Tage vermitteln.
Die Sanierungsgesellschaft hat die Gruben mittlerweile in einem Top-Zustand gebracht. Es gibt kaum noch Knochenarbeit, der Leser erfährt eine Menge über die Bergwerkskünste der Altvorderen. Die Digedags finden Anstellung als Kutscher auf einem Pferdegöpel. Auf ihre Lohnanfrage erfahren sie, dass der Graf gegenüber Raffer in der Rafferei ein Weisenknabe war.
Es herrscht eine sehr angespannte Atmosphäre im Schacht.
Äußerst unklug vom Grafen, hier aufzukreuzen. Auf Digs Alarmpfiff hin entern die Bergleute des Grafen Kutsche und drohen mit Sabotage der Förderanlagen. Dem Grafen bleibt nur, gegenüber den frühen Vorgängern der Arbeiterklasse klein beizugeben. Doch vom Abgesandten des Kaufherrn erfährt er, dass die Lohnzahlungen sein Bier sind, schließlich trägt Raffer das Hauptrisiko.
Dem in betriebswirtschaftlichen Fragen etwas unbedarften Grafen scheint dies einzuleuchten und er schluckt die Kröte.

Die Digedags aber sind ihm das letzte Mal in die Quere gekommen, sie werden standrechtlich des Landes verwiesen.
Doch sie nehmen's gelassen: "So leb nun wohl, du stilles Tal, wir grüßen dich zum letzten Mal! Ist auch der Tritt nicht eben zart, wir bleiben froh nach alter Art!"
 
Beilage:
Steinchen an Steinchen - Schilderung des Freiberger Arztes Johann Friedrich Henckel
Geschichten über das schwere Los der Bergleute in der früheren Zeit. Heutzutage ist es die blanke Freude, dank Adolf Hennecke.

Rückseite:
Georgius Agricola beschrieb die bergbautechnischen Anlagen des Mittelalters.
Eigentlich hieß er Georg Bauer und lebte von 1494 bis 1555.

Für die Raumfahrer wird die erste Planetenlandung angekündigt.

 

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