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54 In des Harzes finstren Gründen Mai 1961


Die Gesandtschaft hat auf der Reise nach Regensburg den hochgefährlichen Harz erreicht. Hier soll es schlechte Straßenverhältnisse und obendrein Räuber geben. Gerade noch geunkt, passiert auch schon der Überfall. Die Digedags schlagen sich mit der eigens für solche Gelegenheiten erfundenen Müllschleuder unerkannt in die Büsche. Guericke und Rabenschreck werden von der Bande gekidnappt, mit dem Ziel, der Stadt Magdeburg ein sattes Lösegeld abzupressen.
Ratsherr Rabenschreck kommt die verdienstvolle Aufgabe zu, die Lösegeld-Anforderung abzufassen. Guericke ist der Meinung, dass der Nennwert von 10000 Talern pro Nase leicht überzogen ist. Schließlich muss er ja wissen, was die Stadtkasse hergibt. Endlich haben auch die Digedags die Gefechtsbereitschaft hergestellt und beginnen mit dem Beschuss. Unrat, Zapfen und Steine sind zwar nicht tödlich, aber sie genügen, die Räuber in die Flucht zu schlagen. Die Kutsche kann endlich wieder flott gemacht werden und die Fahrt geht weiter. Die Freude ist allerdings von kurzer Dauer - eine Reifenpanne zwingt zum erneuten Boxenstop.
Der Kutscher macht sich auf die Socken, irgendwo ein heiles Rad aufzutreiben. Das bringt Muße für Guerickes ungebrochenen Forscherdrang. Die Digedags müssen für ihn in schwindelnder Höhe einen Luftdruckmesser installieren. Damit die Arbeit locker von der Hand geht, wird ein fröhliches Gedicht angestimmt.
"In des Harzes finstren Gründen
klettern wir auf steilem Pfad
in die Höhe und verkünden
eine neue Forschertat!"

Wie Guericke feststellt, nimmt der Luftdruck mit steigender Höhe ab. Er folgert richtig, dass man vermittels des Luftdrucks auch auf die eigene Höhe rückschließen kann.
Der Kutscher war unterdes nicht müßig und hat die Kalesche wieder sauber zusammengenagelt.
In Regensburg herrscht gerade reger Verkehr, heute würde man das als zähfließend bezeichnen. Irgendwas scheint hier abzugehen. Eine Menge Kaleschen wuseln kreuz und quer durch die Kaiserstadt und es ist kein freies Bettgestell mehr zu haben. Selbst ein vermeintlich guter Freund Guerickes muss passen. Schließlich finden sie Obdach in einer verlausten Absteige. Der nächste Morgen sieht schon freundlicher aus, Guericke und Rabenschreck machen sich auf den Weg zur Audienz. Aber es ist unmöglich, zum Kaiser vorzustoßen, der Gebühren sind zu viele zu entrichten. Mit leerem Beutel müssen sie kurz vor dem Ziel die Segel streichen. Torwächter, Geheimschreiber und Kammerherr sind um einen Dukaten reicher geworden, nur für den armen Hofmarschall hat's nicht mehr gereicht.
Jetzt wollen die Digedags ihr Glück versuchen. Es kommt ihnen zupass, dass gerade einem Angestellten der kaiserlichen Küche die Papiere überreicht werden. Das Köchlein war nicht in der Lage, des Herrschers Leibgericht zu schnitzen - bei "Powidldatschkerln" hat er im Kochkurs der Volkshochschule nicht aufgepasst. Die Digedags - in allen Küchen der Welt zuhause - nutzen die höfische Notlage schamlos aus und drehen den Gebühren-Spieß um. Nun müssen Kammerherr, Geheimschreiber und Hofmarschall bluten. Den Digedags steht die Küche mit Mann und Maus zu Diensten. Noch bevor sie den Topf vom Herd haben, stürzt schon der Kaiser in den Suppentempel. In seiner Gier und Wonne frisst er sein Leibgericht gleich vor Ort. Könnten so an die drei Dutzend Knödel gewesen sein.
Als Sofortprämie erhalten die Wunderköche zwei Dukaten vom Kaiser.
Doch an Festanstellung sind die Digedags nicht interessiert, sie verraten dem Kaiser den Sinn ihres Besuches. So bekommt die Magdeburger Gesandtschaft doch noch ihre Audienz.
Als kulturelle Umrahmung führt Guericke vor dem versammelten Reichstag erfolgreich seinen Halbkugel-Versuch vor. Der Brandenburger sieht seine Chancen schwinden, spielt aber noch eine Karte aus. Den Pferden traut er nicht, so müssen seine Sandlatscher antreten, um die Ehre und vor allem den Zugriff auf Magdeburg zu retten. Es wäre auch hier alles gutgegangen, wenn nicht der Kaiser, dieser alte Depp, den geheimen Entlüftungshebel geöffnet hätte. So fällt die ganze Mannschaft aufs Maul. Auch Guericke fällt - nämlich beim Kaiser in Ungnade. Denn der ist sauer ob seiner eigenen Blödheit.
Wenigstens trifft noch das von Guericke vorhergesagte Donnerwetter ein und alle Höflinge werden lustig nassgespritzt.
Die Heimreise nach Magdeburg geht mit dem Knödelgeld der Digedags würdevoll vonstatten und Guericke gibt sich weiterhin kämpferisch bezüglich der Unabhängigkeit seiner Heimatstadt.
 
Beilage:
Steinchen an Steinchen - Zauberei mit der Luft Guerickes Luftdruckmesser wird vorgestellt
"Eine Reise ins Vakuum"
Ratsherr Bangebüx trifft auf die sowjetischen Wissenschaftler und bekommt die Weltraumfahrt fachmännisch (bzw. fachfrauisch) erklärt. Er kann's aber nicht fassen.

Rückseite:
Original-Beschreibung des legendären Halbkugel-Versuches

Powidldatschkerln:
österreichisch/böhmisch
Powidl (Pflaumenmus) - neben Slibowitz (in Serbien erfundener Obstbrand - auch scheinheilig als Zwetschgenwasser bezeichnet) der andere Aggregatzustand der gemeinen Hauspflaume.

 

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