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76 Pepperkorns Pagodenfest März 1963


Die Digedags haben ihre wilden, revolutionären Flegeljahre nach der Ankunft in Holland weit hinter sich gelassen. Heute folgt die Lektion "Kolonialismus".
In Kürze werden die beiden auf Mijnheer Pepperkorn treffen.
"Mijnheer" bedeutet im Lande von Frau Antje schlicht "Herr".
Also nix besonderes, auch ein gewöhnlicher Gouda könnte so heißen.
Pepperkorn, ein Pfeffersack in des Wortes reinster Bedeutung, sitzt in der obersten Etage seines Pagodensurrogats und observiert chips-mümmelnd den Horizont. Seinen schon etwas verblichenen Reichtum hat er in jüngeren Jahren auf den Molukken eingestrichen. Nun ist der Beutel geschrumpft und Pepperkorn wartet sehnsüchtig auf das Eintreffen seiner "Pfefferflotte", um wieder flüssiger zu werden. Und alles, was er aus Frust in sich hineinschlingt, bezieht er bereits auf Schuldschein. Entsprechende Reputation genießt er auch bei seinen verschiedenen Dealern. Weiterhin mangelt es ihm an Feingefühl. Nur, weil er neuerdings eine Pfefferallergie hat, braucht er ja den Bäcker Broesel nicht mit dessen frisch angeliefertem Gebäck zu bewerfen.
Der an Kopf und Ehre Getroffene rastet verständlicherweise aus. Um Broesel wieder milde zu stimmen, verspricht ihm Pepperkorn einen Teil seiner virtuellen Pfefferlieferung.
In dieser Stimmung betreten Dig und Dag die Szenerie.
Obwohl sie uns im letzten Heft versprochen haben, direkt nach Holland zu segeln, müssen wir hier zur Kenntnis nehmen, dass sie geradewegs aus England kommen. Im Gepäck haben sie die englische Lokomotive "Adler", die nach Nürnberg transportiert werden muss. Und das soll ausgerechnet mit dem von Pepperkorn frühgebuchten Frachtkahn vonstatten gehen. Derartige Nachrichten sind das blanke Gift für den gepfefferten Choleriker. Wütend springt er in sein Straußencabrio und kutschiert zu van Hees, dem ungetreuen Schiffer.
Pepperkorns Schimpftirade erfährt eine jähe Wendung, als ihm Bratenduft in den Riecher sickert. Prompt wird er von van Hees zum Mittagessen eingeladen. Die Wut löst sich auf, man findet sogar einen Kompromiss. Und da sich Pepperkorn auch nicht lumpen lassen will, lädt er den Schiffer van Hees, den Schlepperkäpt'n Roentgen und den Lokführer Wilson samt Digedags zum Kolonialvereinstreffen ein, dessen Gastgeber er diesmal ist.
Natürlich Gastgeber auf Pump, wie üblich.
Im Gebüsch lauern jedoch schon seine Lieferanten und Gläubiger. Die Veranstaltung ist bunt wie ein Berliner Tuntenball, alle Kolonialisten kommen in den einschlägigen Landestrachten, begleitet von Proben aus der kolonialen Fauna.
Dig und Dag wollten wieder ganz originell sein und haben sich unvorteilhafterweise als Siamesen kostümiert. Sie konnten ja nicht wissen, dass diese in der Rangfolge der Klassengesellschaft ziemlich weit hinten angesiedelt sind. Ihr Ärger darüber lässt ihre Loyalität gegen den Gastgeber schwinden.
Im Auftrag der geprellten Lieferanten sollen sie den Panther aus dem Pfefferland außer Gefecht setzen, denn mit dem Tierchen hat Pepperkorn seinen Lieferwünschen immer Nachdruck verleihen können. Es zeigt sich aber, dass der Respekt keineswegs gerechtfertigt war. Die zahnlose Katze ist ein ganz verträglicher Zeitgenosse, wenn man seine Gebrechen kennt.
Auf der Suche nach Süßigkeiten veranstaltet der Panther großes Chaos unter den munter tafelnden Gästen. Dieses Durcheinander nutzen Käse-Maik, Wurst-Rudi und Konsorten, um Pepperkorn das Messer auf die Brust zu setzen. Das ist natürlich etwas peinlich, denn nun erfahren die Kolonisatoren, dass beim Pfeffersack Ebbe in der Geldkatze ist. Rettung in letzter Sekunde bringt ein Bote. Die "Surabaya", Pepperkorns erstes Pfefferschiff ist im Hafen eingelaufen. Stracks verpfändet er die Ladung an seine Gläubiger.
Nun darf Palawong, der PSM (persönlicher siamesischer Mitarbeiter), in einem Lied den Werdegang seines Massa zum besten geben. Gerade hat Palawong seine Klampfe wieder eingepackt, da bricht ein Hagel von allerlei molukkischem Unrat durch die Fenster. Lauter gute Sachen, die die Händler im Frachtraum vorgefunden haben. Als persönliche Gabe bekommt Pepperkorn von Broesel ein pralles Päckchen ans Haupt geworfen. Da ist aber wirklich das ersehnte Gewürz drin.
Pepperkorn ist nun nicht mehr gesellschaftsfähig, er wird standrechtlich aus der geliebten Kolonialpartei ausgeschlossen. Von Kapitän Druppenschlock erfährt man, dass es in den Kolonien böse aussieht und nichts Gutes mehr zu erwarten ist. Palawong lässt seinen Dienstherrn schnöde im Stich und heuert bei Tropfenschluck als Smutje an. Die Digedags kehren den verstreuten Pfeffer wieder sorgfältig zusammen und überreden Pepperkorn zur Existenzgründung in Sachen Pfefferkuchen. Schließlich soll die Reise ja nach Nürnberg gehen. Unterwegs kaufen die Digedags bei einem Müller noch einen Sack seltsames weißes Pulver. Und Frau Schifferin van Hees stellt daraus erstklassige Lebkuchen her. Das Geheimrezept bekommt Pepperkorn als Draufgabe.
Nun steht den großen Geschäften in der Stadt der Pfefferkuchen nichts mehr im Wege.
 

Rückseite:
Knistermeckelfingen aus der Sicht Spitzwegs.

 

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