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90 Das Turnier zu Venedig Mai 1964


Wir schreiben das Jahr 1284.  Eine nette prä-google-mapige Vogelperspektive erlaubt uns einen Blick auf ein Labyrinth von Inseln und gleich darauf landen wir in Venedig, der Stadt mit der offenen Kanalisation. Und wir platzen geradewegs in die Antrittsrede des frisch gewählten Dogen hinein.
Es sieht nicht sonderlich rosig aus um Venedigs Machtanspruch, denn die pösen Genuesen blockieren den Venezianern die Handelswege, der Einfluss in Konstantinopel ist nur als marginal zu bezeichnen. Marco Polo ist seit 13 Jahren auf Reisen.

Drei angestaubte und in schlichtes Schmiedeeisen gehüllte Touristen schleppen sich auf den Rücken ihrer reitbaren Untersätze übers Pflaster des Markus-Platzes.
Dig und Dag kennt man schon, neu ist ihr Prinzipal, der ehrenwerte Ritter Runkel von Rübenstein.
Den ersten Teil der Odyssee von Franken über die Alpen haben sie bereits hinter sich gebracht.
Nun will der Ritter vom Dogen Hilfe bei der Suche nach dem Rübensteinischen Familien-Schatz erbitten.
Das Benehmen dieses Ritters lässt zu wünschen übrig. Da ihm die Wache den Zugang zur Ratssitzung verweigert, verschafft er sich Eintritt mit roher Gewalt. Seine Oberhand hält nicht lange vor, auch in Venedig gibt es für einen groben Klotz einen gleichartigen Keil. Er nennt sich Cavaliere Carlo di Carotti. Des Ritters Statik schwindet und er landet scheppernd zu Füßen des Dogen.
Der Großvenediger zeigt sich interessiert, als er vernimmt, dass der Ritter gegen die Sarazenen ziehen will. Sogar über ein Heer soll er verfügen. Runkel macht den Flötenschlumpf. Aber auf sein Tuten hin marschieren nur die Digedags auf. Da muss sich der Doge wohl veralbert fühlen. Dann noch des Ritters diplomatisches Geschick mit Tiervergleichen und der Hinauswurf ist perfekt. Doch so billig lässt sich ein rechter Rübensteiner nicht abweisen. Wieder ist es der Kavalier von der Möhre, der Runkel auf die Füße tritt und dessen Schwert Siebenstreich äußerst elegant beschlagnahmt. Erst nach einem sonntäglichen Turnier mit dem Cavaliere soll es der Ritter wiederbekommen.
Nach dem unrühmlichen Abgang aus dem Dogenpalast geben sich Dig und Dag einiges über Runkels Qualitäten zum Besten.
Neues Ungemach naht. Um keinen Umweg über die nächste Brücke machen zu müssen, will sich der Ritter partout samt Pferd mit einer Gondel übersetzen lassen. Beim Sprung in den Kahn tritt er den Boden heraus. Dass passiert vor dem deutschen Handelshaus, wo gerade Pflaumenmus umgefüllt wird. Die Handlungsmitarbeiter bieten ihm Hilfe mittels eines Aufzugs an. Der Ladenschwengel zerschnippelt aber das Seil und Runkel stürzt samt Gaul in die Musfässer. Nun kommen die Digedags hinzu, die sinnigerweise die Brücke benutzt haben.
Um die geschädigten Kaufleute zu besänftigen, kaufen sie ihnen eine Tonne Mus ab. Dig hat da so eine Idee fürs Turnier. Da Runkels Unfähigkeit in Knappenkreisen bekannt ist, wollen sie das Manko durch Grips wieder wettmachen. Bei einem Gondelbauer verwandeln sie ihre beiden Lanzen in die berüchtigten Mus-Injektoren. Ein Test mit Wasser lässt auf Erfolg hoffen. Hauptsache, die Regeln schließen Marmeladen-Attacken nicht grundsätzlich aus.

Der Sonntag ist da, das Turnier kann beginnen. Dem Sieger droht ein freier Wunsch. Es lässt sich allerdings nicht gut an für den Rübensteiner.
Bereits beim ersten Lanzengang wälzt sich Runkel im Sand der Kampfbahn. Warum nun auch seine Knappen gegen einen Cavaliere kämpfen sollen, wissen wahrscheinlich nur die venezianischen Turnierregeln. Irgendwie unfair, immer auf die Kleinen.
Um noch einen draufzusetzen, bemängelt der Turniervogt die Lanzen der Digedags. Sie sind zwar auf deren Kleinwüchsigkeit abgestimmt, entsprechen jedoch nicht dem Reglement. Dig und Dag müssen also richtige Turnierlanzen verwenden. Aber solche Überraschungen können die beiden nicht aus der Bahn werfen.
Dig ist nun an der Reihe. Durch eine Art von Stabhochsprung entzieht er sich dem Stoß von Carotti. Das bringt allerhand Punkte.
Dag macht es noch etwas besser. Mit einem Sprung aus dem Sattel rutscht er dem Cavaliere auf dessen Lanze direkt vors Visier. Das haut den siegessicheren Venezianer aus den Latschen. Nun suhlt er sich selbst runkelmäßig am Boden.
Des Turniervogts Ansage lautet: "Sieger in der dritten Runde durch Lanzengrätschausheber Turniergemeinschaft Runkel von Rübenstein."
Immerhin hat Carotti den Anstand, wenn auch im Liegen, dem Ritter zum Siege zu gratulieren.
Später, auf dem Gewinnertreppchen triumphieren die Runkelianer. Statt eines Goldregens ergießt sich allerdings Pflaumenmus vom Himmel.
Dass der Cavaliere Carlo di Carotti -  Goldmedaillengewinner von San Remo, Monaco und Paris und Meister aller Klassen von Italien - stinksauer ob der Schmach ist, sollte jedem klar sein. Seine Rache verspricht fürchterlich zu werden.
 

Die längste zusammenhängende und auch atmosphärisch dichteste Serie des Digedoniums nimmt hier ihren Anfang.
Runkels erste Vor-Ritterregel, die hier noch schlicht Sprichwort genannt wird: "Wenn's nicht geht, wie man will, muß man's tun, wie man kann."
Und ein ritterregelartiger Reim, der da lautet: ... Siegen kommt nicht vom Liegen!".

 

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