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215 Große Pläne Oktober 1974
Digedags 215

Sultan Mahmud hat schon seit geraumer Zeit Probleme mit seinem Fußvolk. Keiner seiner Untertanen will mehr so richtig mitspielen. Und in solch einer vertrackten Situation wird er von seinen Unwürdenträgern auch noch ausgeraubt.
Er braucht also unbedingt neue Schatzkammern, um das Risiko auf mehrere Lagerorte zu verteilen. Aber seinem Hofbaumeister und dessen Panzerknackervisage ist schwerlich zu trauen.
Bevor er jedoch neue Steuern erfinden kann, muß er die Leute erstmal ordentlich bespaßen. Kein Brot, aber Spiele.
Seinen Regierungsmitgliedern droht er damit, sie an die Löwen zu verfüttern wie einstens Kaiser Nero. Das wäre garantiert lustig.
Die Betroffenen erinnern den Sultan daran, daß solche Löwen gerade ziemlich teuer sind. Sicher gibt es billigere Belustigungen, die auch nicht solch saumäßige Schmerzen verursachen.
In seiner Schußligkeit entert der Sultan mit seinem Troß den Harem. Die Eunuchen versagen jämmerlich. Aber seine Berater bringt das auf die pfiffige Idee, Palastführungen zu veranstalten. Nacktes Fleisch ging schon immer. Die Eunuchen klagen obendrein über Langeweile und werfen dem Sultan vor, seinen Pflichten nicht nachzukommen. Dafür landen die Haremslurche im Teich.
Der ausgezeichnete Vorschlag des Zeremonienmeister, die ganzen städtischen Brunnen mit Wein zu speisen, wird nicht angenommen. Schließlich ist das ebenso teuer und es darf sowieso nicht in der Öffentlichkeit gebechert werden. Der Palastrundgang des Sultans führt auch über den aktuell gut besuchten Wirtschaftshof.
Hier treffen gerade große Lieferungen morgen- und abendländischer Delikatessen ein. Auch die Digedags gehen hier ihren Geschäften als Spediteure nach. Ausgerechnet sie bringen als überzeugte Antialkoholiker Jamaika-Rum in den Abstinenzler-Palast.
Der Sultan befragt sie, wie man kostengünstig das Volk bespaßen könnte, worauf sie ihr tanzendes Kamel Habakuk anpreisen.
Eine Kostprobe der Kunst wird gerne gegeben. Mit geborgten Pfannen, Töpfen und Deckeln schlagzeugern sie los und Habakuk läßt sich nicht lumpen, nach diesen Geräuschen seine vier Hufe rhythmisch herumzuschlenkern.
Der Sultan ist davon schwer begeistert und engagiert das Wundertier samt Kapelle. Die Digedags fordern als Gegenleistung einen Monat freie Kost für ihren Habakuk. Nachdem einer der Berater meint, daß die Kamele wochenlang gar nichts fressen, stimmt Mahmud zu.
Der Sultan begibt sich in seinen Audienzsaal, wohin er auch einen fremden Baumeister in Sachen Schatzkammern bestellt hat. Nachdem der Herrscher in seiner erhabenen Weisheit einige nörgelnde Bittsteller abgebürstet hat, beendet er seine ungeliebte Sprechstunde.
Und er wendet sich dem berühmten Baumeister zu. Die beiden reden recht lange aneinander vorbei, endlich stellt sich heraus, daß der vermeintliche Bauspezialist nur ein Ballonfahrer ist.
Das wäre eine weitere Attraktion fürs Volk. Als es auch noch heißt, daß der Spaß von den Zuschauern selber bezahlt wird, schlägt der Sultan zu.
Parallel zum Ballonspektakel soll Habakuk tanzen. Mehrere Esel-Melder strömen in Istanbul aus und machen Reklame für die einmalige Vorstellung.

 

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