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90 neu Das Duell an der Newa Mai 1964
Mosaik 90 neu

Nachdem Wilhelm Bauer mitsamt seiner Pläne Hals über Kopf von der Pirateninsel flüchten mußte, erhielt er von der Russischen Admiralität eine Einladung nach St. Petersburg.
Hier wurde das neue Tauchboot im Jahr 1855 endlich fertiggestellt. Von seinem "Eisernen Seehunderl" zum martialischen "Seeteufel". Der hereingebrochene Winter verhinderte vorerst die Probefahrt und das gute Stück liegt nun auf einem Lastkahn auf der Newa. Dieses Objekt muß selbstredend bewacht werden unter dem Kommando von Leutnant Graf Orbanski. Der ist sauer, daß ihm dümmlicherweise der Admiralitätsball durch die Fußlappen geht. Zur Krönung zieht ihm noch ein ausgerasteter Eisangler den Käscher über die Feldmütze. Wilhelm Bauer würde den Ball lieber schwänzen, so verschieden sind die Leute. Aber wenn Großadmiral Konstantin ruft. muß er das Tanzbein schwingen.
Wehmütig erinnert er sich an die Kurzweil mit den Digedags - da entdeckt er ein Plakat mit ihren Konterfeis. Die Digedags sind nämlich als Privatsekretäre der preußischen und österreichischen Militärattachés dienstlich hier. Dig hat sich Meinrath angedient und Dag huldigt seinem Treskow.
Im Kulturprogramm wollen natürlich beide Experten die Hauptrolle spielen - den Neptun, was die Sekretäre unterstützen.
Dig und Dag verhalten sich dabei recht loyal nach dem Motto: Haust du meinen Deppen, hau ich deinen Deppen. Während Treskow, sich in einer Muschel räkelnd, gerade auf die Bretter getragen wird, kommt nun auch Meinrath mit seinem Dreizack aus dem Fischmaul geflutscht. Immerhin erheitert das Bühnenfiasko das Publikum. Meinrath zieht sich gekränkt zurück und der ballbesessene Orbanski schnappt sich dessen Kostüm. Auf dem Weg in den Saal bittet ihn der Requisiteur, einen mit Wein gefüllten Pokal auf die Bühne zu tragen. Treskow hält ihn naheliegenderweise für Meinrath und kippt ihm die Lorke ins Gesicht.
Beide reagieren leicht über und verabreden sich zum Duell. Da meldet ein Soldat, daß das Eis der Newa plötzlich bräche. Im Nu leert sich der Saal, weil dadurch auch die Komödie zu Ende ist.
Solch ein Eisbruch ist auch viel interessanter, zumal sich der Prahm mit dem Tauchboot losgerissen hat. Gerade, als aus dem Großadmiral der Groll hervorbricht, taucht der Wach-Leutnant in seiner verrotweinten Neptun-Kledasche auf. Dafür muß er in den Karzer. Voller Schrecken erkennen die Digedags, daß sich dieser Verwechselung wegen Treskow nun mit Meinrath duellieren wird. Doch aktuell müssen Bauer und die Digedags erst mal den Kahn retten. Mithilfe der Besatzung und interessierter Bürger wird er ans Ufer gezogen.
Am nächsten Morgen schlagen Treskows Sekundanten beim ahnungslosen Meinrath auf und beenden seine friedliche Nachtruhe. Immerhin nimmt Meinrath die Herausforderung an. Trainiert ist er ja - vor drei Jahren hat er in einer Prater-Schießbude geballert. Trotzdem will er noch schnell etwas üben - Metternichs Büste wird als Pappkamerad eingekleidet. Der Schuß geht nur knapp daneben, ruft aber den Vermieter auf den Plan, mit dem Ansinnen, daß sein Haus kein Schießstand sei.
Als es Neune schlägt, eilen die Digedags schleunigst zur Newa-Wiese, um das Massaker zu verhindern. Keinen Moment zu spät. Mit ihren Peitschen entwaffnen sie die beiden Schlumpschützen. Den Schlitten der Digedags stoppt eine alten Eiche. Durch die beiden Schüsse ins Blaue wurden immerhin zwei Krähen erlegt, die der Eisangler dankbar einsammeln will, aber nun ist der Fluß offen und er kann wieder fette Fische fangen.
Nachdem die beiden zänkischen Militärattachés von Dig und Dag über die brisante Situation aufgeklärt wurden, verklappen die Pistoleros ihre Instrumente in der Newa. Gefährlich wäre es sowieso nur für die Sekundanten geworden. Treskow und Meinrath schwören sich nun ewigliche Treue.
Der arme Kutscher soll seinen kollateralisierten Bruchschlitten gefälligst von den Botschaftern bezahlen lassen, das ist so üblich.
Fortsetzung folgt.
 

Den beiden Herausgebern Henning Krowiasch und René Brecht sowie den Zeichnern Ulf S. Graupner sowie Steffen Jähde ist es zu verdanken, daß wir dieses Kleinod, erdacht in vergangenen Zeiten, heute endlich genießen können.
Es erschien im Mai 2025 und ist die damals geplante Fortsetzung der Bauer-Geschichte nach der alten Nummer 89.

Mosaik 90 neu Beilage

 

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