
Nachdem Wilhelm Bauer mitsamt seiner Pläne Hals über Kopf von der
Pirateninsel flüchten mußte, erhielt er von der Russischen Admiralität
eine Einladung nach St. Petersburg. Hier
wurde das neue Tauchboot im Jahr 1855 endlich fertiggestellt. Von
seinem "Eisernen Seehunderl" zum martialischen "Seeteufel". Der
hereingebrochene Winter verhinderte vorerst die Probefahrt und das
gute Stück liegt nun auf einem Lastkahn auf der Newa. Dieses Objekt
muß selbstredend bewacht werden unter dem Kommando von Leutnant Graf
Orbanski. Der ist sauer, daß ihm dümmlicherweise der
Admiralitätsball durch die Fußlappen geht. Zur Krönung zieht ihm
noch ein ausgerasteter Eisangler den Käscher über die Feldmütze.
Wilhelm Bauer würde den Ball lieber schwänzen, so verschieden sind
die Leute. Aber wenn Großadmiral Konstantin ruft. muß er das
Tanzbein schwingen.
Wehmütig erinnert er sich an die Kurzweil mit den Digedags - da
entdeckt er ein Plakat mit ihren Konterfeis. Die Digedags sind
nämlich als Privatsekretäre der preußischen und österreichischen
Militärattachés dienstlich hier. Dig hat sich Meinrath angedient und
Dag huldigt seinem Treskow. Im Kulturprogramm wollen natürlich beide
Experten die Hauptrolle spielen - den Neptun, was die Sekretäre
unterstützen. |
Dig und Dag verhalten sich dabei recht loyal nach dem Motto: Haust
du meinen Deppen, hau ich deinen Deppen. Während Treskow, sich in
einer Muschel räkelnd, gerade auf die Bretter getragen wird, kommt nun auch
Meinrath mit seinem Dreizack aus dem Fischmaul geflutscht. Immerhin
erheitert das Bühnenfiasko das Publikum. Meinrath zieht sich
gekränkt zurück und der ballbesessene Orbanski schnappt sich dessen
Kostüm. Auf dem Weg in den Saal bittet ihn der Requisiteur, einen
mit Wein gefüllten Pokal auf die Bühne zu tragen. Treskow hält ihn
naheliegenderweise für Meinrath und kippt ihm die Lorke ins Gesicht.
Beide reagieren leicht über und verabreden sich zum Duell. Da meldet
ein Soldat, daß das Eis der Newa plötzlich bräche. Im Nu leert sich
der Saal, weil dadurch auch die Komödie zu Ende ist. Solch ein Eisbruch ist auch viel
interessanter, zumal sich der Prahm mit dem Tauchboot losgerissen
hat. Gerade, als aus dem Großadmiral der Groll hervorbricht, taucht
der Wach-Leutnant in seiner verrotweinten Neptun-Kledasche auf.
Dafür muß er in den Karzer. Voller Schrecken erkennen die Digedags,
daß sich dieser Verwechselung wegen Treskow nun mit Meinrath
duellieren wird. Doch aktuell müssen Bauer und die Digedags erst mal
den Kahn retten. Mithilfe der Besatzung und interessierter Bürger
wird er ans Ufer gezogen. Am nächsten Morgen
schlagen Treskows Sekundanten beim ahnungslosen Meinrath auf und
beenden seine friedliche Nachtruhe. Immerhin nimmt Meinrath die
Herausforderung an. Trainiert ist er ja - vor drei Jahren hat er in
einer Prater-Schießbude geballert. Trotzdem will er noch schnell
etwas
üben - Metternichs Büste wird als Pappkamerad eingekleidet. Der Schuß
geht nur knapp daneben, ruft aber den Vermieter auf den Plan, mit
dem Ansinnen, daß sein Haus kein Schießstand sei. |
Als es
Neune schlägt, eilen die Digedags schleunigst zur Newa-Wiese, um das
Massaker zu verhindern. Keinen Moment zu spät. Mit ihren Peitschen
entwaffnen sie die beiden Schlumpschützen. Den Schlitten der Digedags
stoppt eine alten Eiche. Durch die beiden Schüsse ins Blaue wurden
immerhin zwei Krähen erlegt, die der Eisangler dankbar einsammeln
will, aber nun ist der Fluß offen und er kann wieder fette Fische
fangen. Nachdem die beiden zänkischen Militärattachés von Dig und Dag über die
brisante Situation aufgeklärt wurden, verklappen die Pistoleros
ihre Instrumente in der Newa. Gefährlich wäre es sowieso nur für die
Sekundanten geworden. Treskow und Meinrath schwören sich nun ewigliche Treue. Der
arme Kutscher soll seinen kollateralisierten Bruchschlitten gefälligst von
den Botschaftern bezahlen lassen, das ist so üblich.
Fortsetzung folgt.
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Den beiden Herausgebern Henning Krowiasch und René Brecht
sowie den Zeichnern Ulf S. Graupner sowie Steffen Jähde ist es
zu verdanken, daß wir dieses Kleinod, erdacht in vergangenen Zeiten,
heute endlich genießen können. Es erschien im Mai 2025 und ist die
damals geplante Fortsetzung der Bauer-Geschichte nach der alten
Nummer 89.
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